Schiefe Ebene heißt in der Mechanik die einfache Maschine, welche die überwindung eines Widerstandes durch Üübertragung der Bewegung auf eine geneigte Fläche bezweckt. Liegt ein Körper unbefestigt auf einer geneigten Fläche, so wird dessen eigenes Gewicht, sowie jeder auf ihn ausgeübte Druck in zwei Teile zerlegt, wovon der eine als Druck senkrecht gegen die Fläche wirksam bleibt, der andere aber ein Hinabgleiten des Körpers längs der Fläche zu erzeugen strebt, welchem sich mehr oder weniger die Reibung entgegensetzt. Von der Größe des Winkels, welchen die schiefe Ebene mit der horizontalen einschließt, hängt die verhältnismäßige Größe der beiden erwähnten Kräfte ab. Für jeden einzelnen Fall gibt es einen bestimmten Neigungswinkel, bei welchem das Hinabgleiten des Körpers über die Ebene eintritt, indem die Reibung überwunden wird: dieser Winkel heißt der Reibungswinkel und ist desto kleiner, je glätter und je besser geschmiert die sich berührenden Oberflächen sind. In der praktischen Mechanik wird die schiefe Ebene vielfältig zur Hervorbringung von Bewegungen, sowie zur Ausübung von Druck angewendet; dies chieht meist in der Weise, daß man sie als Keil (s. d.) oder als Schraube (s. d.) ausführt; denn diese beiden Maschinenelemente sind eben nur modifizierte Formen oder Benutzungsarten der schiefen Ebene. Im Eisenbahnwesen bezeichnet man als schiefe Ebenen solche Bahnstrecken, deren Neigung groß genug ist, um das schnelle Hinabgehen eines Wagenzugs durch die Wirkung seines eigenen Gewichts zu erzeugen. Solche Bahnstrecken werden abwärts meist ohne alle Mithilfe einer Lokomotive befahren; im Gegenteil muß ein zu sehr beschleunigtes Herabfahren des Zugs durch angemessenes Hemmen (Bremsen) verhindert werden. Aufwärts werden die Züge über schiefe Ebenen auf verschiedene Arten transportiert: entweder mittels sehr kräftiger Lokomotiven, welche direkt vorgespannt werden, oder durch eine auf dem höchsten Punkte der Steigung feststehende (stationäre) Dampfmaschine, welche die Wagenreihe mittels eines starken Seils hinaufzieht (Seilebenen). Neuerdings wird die schiefe Ebene benutzt, um durch das Gewicht eines auf ihr hinuntergehenden Zugs einen andern, etwas leichtern Zug auf derselben mittels des Seils heraufzuziehen. Die schiefe Ebene ist auch für die Schiffahrt (z. B. beim Oberländischen Kanal in Ost⸗ und Westpreußen, im nördl. Schweden) nutzbar gemacht, indem dieselbe zur Auf⸗ und Abwärtsbeförderung eines Schiffs zwischen zwei Wasserspiegeln von erheblicher Niveaudifferenz dient. Das Schiff wird auf einen Transportwagen aufgefahren und dieser aus dem einen Kanal über die schiefe Ebene hinweg in den andern befördert.