Schlegel (Karl Wilh. Friedr. von), berühmt als Asthetiker und Litterarhistoriker, Bruder des vorigen, geb. zu Hannover 10. März 1772, ursprünglich zum Kaufmann bestimmt, widmete sich später in Göttingen, dann in Leipzig dem Studium der Philologie. Seine erste Schrift von größerm Umfange war: „Griechen und Römero (Hamb. 1797). Als eine Fortsetzung derselben kann die „Geschichte der Poesie der Griechen und Römerv (Berl. 1798) gelten, die aber ebenfalls Bruchstück geblieben ist. Beide Arbeiten nebst einer Reihe anderer Jugendschriften sind am besten herausgegeben von J. Minor: (Friedrich S. 1794 - 1802. Seine prosaischen Juchichteß; Bd. 2: 4Zur deutschen Litteratur und Philosophiev, Wien 1882). Gediegene Aufsätze und fruchtbare Andeutungen in Fragmenten, Ideen u. s. w. lieferte er in dieser Zeit in das von ihm mit seinem Bruder herausgegebene Athenäump. Sodann veröffentlichte er den vielbesprochenen Roman Lucindey (Bd. 1, Berl. 1799; 2. Aufl., besorgt von Christern, Hamb. 1842). Er selbst schien durch das Aufgeben der Fortsetzung desselben die Gerechtigkeit der Urteile anzuerkennen, die in diesem Werke nur eine Verherrlichung der Wollust sahen. Im J. 1800 ließ er sich als Privatdocent in Jena nieder, wo er mit nur geringem Beifall philos. Vorlesungen hielt. In dieser Periode trat er zuerst im «Athenäumo als Dichter auf, und er versuchte sich seitdem in den mannigfaltigsten Formen (Gedichtev, Berl. 1809). In«Alarcosv(Berl. 1802), einem originellen Trauerspiel, welches antike und romantische Elemente seltsam vermischt, wendete er die Assonanz an. Im J. 1802 reiste er nach Paris, wo er Vorlesungen über Philosophie hielt, die Monatsschrift Europav (2 Bde., Frankf. 1803) herausgab und sich mit der Kunst und den roman. Sprachen, besonders aber mit der ind. Sprache und Litteratur beschäftigte. Die Früchte dieses Studiums legte er in der Schrift «Über die Sprache und Weisheit der Indier (Seidelb. 1808) nieder. In Köln trat er 1803 mit seiner Gattin zur kath. Kirche über, ein Schritt, der auf seinen schriftstellerischen Charakter bedeutend wirkte, da er seitdem als entschiedener Gegner religiöser und polit. Freiheit auftrat. Im J. 1808 wendete sich S. nach Wien. dof Feldzuge von 1809 befand er sich als kaiserl. Hofsekretär im Hauptquartier des Erzherzogs Karl und wirkte durch kraftvolle Proklamationen auf den Geist der Nation. Später hielt er zu Wien Vorlesungen, die unter dem Titel «über die neuere Geschichter (Wien 1811) und «Geschichte der alten und neuen Litteratur⸗ (2 Bde., Wien 1815; 2. Aufl. 1847) im Druck erschienen. In dem erstern Werke trat seine religiöse Befangenheit stark hervor; von weit größerm, bleibenderm Werte ist das zweite. Durch mehrere diplomatische Schriften erwarb er sich Metternichs Vertrauen, wurde Legationsrat der österr. Gesandtschaft bei dem Deutschen Bundestage, kehrte jedoch im Anfange 1818 nach Wien zurück, von wo er 1819 eine Reise nach Italien machte. In Wien unternahm er die Zeitschrift Concordiads (Wien 1820 —21) und besorgte eine unvollständige Ausgabe seiner Sämtlichen Werker (10 Bde., Wien 1822 fg.; vermehrte Aufl., 15 Bde., 1846). Im J. 1827 hielt er öffentliche Vorträge über «Philosophie des Lebenso (Wien 1828) und 1828 über „Philosophie der Geschichtes (2 Bde., Wien 1829). Gegen Ende 1828 unternahm er eine Reise nach Dresden und hielt daselbst ebenfalls eine Reihe Vorträge, die unter dem Titel«Philos. Vorlesungen, insbesondere über die Philosophie der Sprache und des Worteso (Wien 1830) erschienen. S. starb in Dresden 11. Jan. 1829. Seine philos. Vorlesungen aus den J. 1804—6, nebst Fragmenten, vorzüglich philos.⸗theol. Inhaltso gab Windischmann aus dem Nachlasse heraus (2 Bde., Bonn 1836 — 37; 2. Aufl. 1846); sie bilden Band 1—4 der Supplementbände zu seinen «Sämtlichen Schriftenv. S. und sein Bruder August Wilhelm sind als die doktrinären Begründer der sog. Romantischen Schule anzusehen, und was gegen die Richtung selbst einzuwenden, fällt auch im ganzen den beiden Häuptern zur Last. Dennoch kann man Tiefe und Fülle der Kenntnisse und eine gediegene Form der Darstellung den Brüdern nicht absprechen. Wichtiger aber als ihre poetischen Schöpfungen sind ihre kritischen Bestrebungen. Sie unterschieden die Grenzen der antiken und romantischen Kunst und die einzelnen Dichtungsformen genau, drangen mehr auf das Ideale und auf die Objektivität der Darstellung, als deren Meister sie Goethe hinstellten.