FeedSchleißheim
GeschichteBrockhaus 1882

Schleißheim, ein königl. bayr. Lustschloß, an der Linie München-Landshut-Regensburg der Bayrischen Staatsbahn, 14 Em von München gelegen, besteht aus einer ältern und einer neuern Anlage. 5. ältern Schlosse, von Herzog Wilhelm V. herrührend, befindet sich jetzt die Verwaltung des Staatsgutes S. mit großem Remontedepöt, bedeutendem Torfstich und einiger Okonomie, namentlich Viehzucht. Eine höhere landwirtschaftliche Lehranstalt, die vordem zu S. bestand, ist seit 1850 nach Weihenstephan bei Freising verlegt. Hinter jenem ältern Schlosse erhebt sich der Prachtbau des neuen Schlosses, das von Kurfürst Max Emanuel 1684—1700 nach den Plänen ital. Baumeister aufgeführt und 1726 vollendet wurde. Das Stiegenhaus, eins der prächtigsten in Europa, wurde von König Ludwig I. ergänzt. Die Gemäldegalerie zu S. hat zwar viele ihrer wertvollsten Bilder an die Pinakotheken zu München abgeben müssen, doch zählt sie immer noch an 1600 Gemälde, unter denen sich sehr viele kostbare aus der altdeutschen wie aus spätern Schulen befinden; auch sind daselbst die Originalmodelle vieler in München stehender Monumente bayr. Fürsten aufgestellt. Hinter dem Schlosse ist ein großartig angelegter Park. ehe Hauptstadt des frühern Fürstentums Reuß-Schleiz, seit Vereinigung der beiden Fürstentümer Reuß (s. d.) jüngere Linie zu Einem Staate die zweitgrößte Stadt und die zweite Residenz des Landes, am Flüßchen Wiesenthal, von fruchtbaren Auen umgeben, zieht sich an einem Berggelände hinan, auf dessen höchstem Punkte das Residenzschloß steht, und zählt (1885) 4969 E., welche starke Bierbrauerei, Lebkuchenbäckerei, Feldbau, Woll- und Baumwollweberei, sowie Strumpfwirkerei, Fabrikation von Metallwaren (Lampen), von Spielpferden, Bücherdecken u. s. w. betreiben. Nach den großen Bränden vom 3. Juli 1837 und 2. Aug. 1856 ist S. sehr schön wieder aufgebaut worden. Außer dem Residenzschloß (mit der Schloßkirche und Bibliotheh zeichnen sich die altertümliche Bergkirche und die Pfarrkirche zu St. Georg, sowie das Gerichtsgebäude aus. S. ist der Sitz eines Landratsamts und Amtsgerichts, sowie der fürstl. Kammer (Domänendirektion). Außerdem befinden sich daselbst ein Gymnasium, das Landes-Lehrerseminar, die Landes-Taubstummenanstalt, ein Bezirksarmen- und Arbeitshaus, eine Waisenversorgungsanstalt und ein Krankenhaus. Die Stadt selbst, welche bereits im 13. Jahrh. eine städtische Verfassung hatte und 1492 die ersten umfassenden Statuten erhielt, war ursprünglich ein slaw. Ort, vom 13. bis 16. Jahrh. der Sitz einer Niederlassung des Deutschen Ritterordens und zerfällt jetzt in drei Distrikte, die Altstadt, Neustadt und Heinrichsstadt, von denen letztere erst 1708 begründet wurde. In der Nähe liegen das Lustschloß Heinrichsruhe und der Lustort Eremitage, 7 kmtentfernt das alte Schloß Burgk an der Saale, mit Amtsgericht, einer großen

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 387Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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