Stieler (Karl Joseph), bedeutender Porträtmaler, geb. 1. Nov. 1781 zu Mainz, erwarb schon in früher Jugend seinen Unterhalt durch Malen von Miniaturbildnissen. Auchseine Reisen sein akademi sches Studium in Wien (1800), in Paris (1806) unter Geérards Leitung, in Italien (1810) machten sich auf diese Weise bezahlt. In Mailand malte er den Vizekönig Eugen mit dessen ganzem Hofe, und in Rom vollendete er sein erstes größeres, selbständiges Werk, die Befreiung des heil. Leonhard, jetzt in der Kirche dieses Heiligen zu Frankfurt a. M. König Maximilian I. berief ihn 1812 an den Hof nach München, wo zahlreiche Porträts fürstlicher Personen entstanden. Im J. 1816 erregten S.s Porträts des Kaisers Franz und dessen Gemahlin in Wien großes Aufsehen, sodaß er von dort erst 1820 auf den Wunsch des Königs nach München zurückkehrte. Nach der Thronbesteigung Ludwigs I. (1825) malte er diesen und seine Gemahlin im Krönungsornat. In das J. 1828 fällt das Porträt Goethes, eins der Hauptwerke des Künstlers (Neue Pinakothek zu München). Später faßte S. im Auftrage des Königs Ludwig die bedeutendsten Schönheiten Bayerns in einer Galerie zusammen (die sog. Schönheitsgalerie). Eine sehr idealistische Auffassung, feiner Sinn für weibliche Grazie und Schönheit und außerordentlich feines, zartes Kolorit sind die Grundzüge dieser Bilder. Auch in kleinern Genrebildern hat S. Gelungenes geleistet, wie z. B. das Mädchen, welches das Brüderchen durchs Wasser trägt (1849), beweist. Cornelius hatte zwar durch seine Richtung Einfluß auf S., doch behielt derselbe im Porträt stets eine idealische Manier bei, welche scharfer Charakteristik aus dem Wege zu gehen pfle t. Eins seiner letzten Werke war ein Porträt Schillers, in charakteristischer, geistvoller Weise aufgefaßt und nach einer Gipsmaske und einem ältern Pastellbilde ausgeführt. S. starb 9. April 1858 in München.