Drouyn de l'Huys (Edouard), franz. Staatsmann, geb. 19. Nov. 1805 zu Paris, erhielt seine Bildung im Collége Louis-le-Grand zu Paris und besuchte seit 1823 die Rechtsschule. Er wählte dann die diplomatische Laufbahn, war 1833—36 Gesandtschaftssekretär im Haag, sodann Geschäftsträger in Madrid, und wurde 1842 im Depart. Seine-Marne in die Kammer gewählt, wo er als Gegner der Guizotschen Politik auftrat, sodaß er sein Amt aufgeben mußte. Nach der Februarrevolution in die Constituante, sodann in die Legislative abgeordnet, stimmte er in beiden Versammlungen meist mit der Rechten. Minister des Auswärtigen im ersten Kabinett Ludwig Napoleons, unterstützte D. die Politik des Präsidenten gegen die Römische Republik und für die Wiederherstellung der päpstl. Herrschaft. Nachdem er 2. Juni 1849 sein Portefeuille an Tocqueville abgetreten, ging er als Gesandter nach London, kehrte aber bald wieder zurück und übernahm in dem übergangskabinett vom 10. bis 24. Jan. 1851 abermals das Auswärtige. In 318 Stellung half er den Staatsstreich vorbereiten, beteiligte sich nachher an der Konsultativ-Kommission und erhielt dann die Senatorwürde. Hierauf trat er 28. Juli 1852 an Turgots Stelle zum dritten mal an die Spitze der auswärtigen Angelegenheiten. Der Ausbruch der orient. Wirren gab ihm Gelegenheit zur Entwickelung einer bedeutenden diplomatischen Thätigkeit und namentlich zur Begründung der Allianz zwischen Frankreich und England. Als besonderer Gesandter erschien er auch neben dem Baron Bourqueney im April 1855 auf den Wiener Konferenzen. Die Geneigtheit, die er hier, in Verbindung mit Lord Russell, den Friedenspropositionen Osterreichs bewies, fand jedoch nicht den Beifall Napoleons III., und nach seiner Rückkehr sah er sich genötigt, 3. Mai 1855 sein Portefeuille dem Grafen Walewski zu überlassen. D. zog sich auf sein Landgut zurück und gab sogar 1856 als Senator seine Entlassung. Zur Rechtfertigung seines Verhaltens in der orient. Frage veröffentlichte er die Schrift Histoire diplomatique de la crise orientale, etc.ù (Brüss. u. Lpz. 1858). Als Mitte Okt. 1862 Thouvenel als Minister des Auswärtigen seine Entlassung erhielt, weil er dem Papste Pius IX., gegen des Kaisers Absicht, mit Zurückziehung der franz. Truppen aus Rom gedroht hatte, entschloß sich D., an dessen Stelle zu treten. Er war als Freund Ssterreichs und Verehrer des Papstes bekannt, und man hielt daher diesen Portefeuillewechsel den Einheitsbestrebungen Italiens für sehr ungünstig; jedoch rechtfertigte der neue Minister weder die Hoffnungen der einen, noch die Befürchtungen der andern, sondern vertrat hier, wie anderwärts, nur die Politik Napoleons. D. verknüpfte auch 1863 seinen Namen mit dem Handelsvertrag zwischen Frankreich und Italien, und unterschrieb sogar die Übereinkunft vom 15. Sept. 1864, welche die Zurückberufung der franz. Truppen aus Rom entschied. Die von England gewünschte Unterstützung Dänemarks 1864 lehnte er in seiner Depesche vom 28. Jan. ab. Auf den Brief des Kaisers Napoleon vom 11. Juni 1866 an D. bezüglich der Lösung der Deutschen an . folgte der Ministerrat vom 10. Juli, in welchem D. sein Programm vorlegte, das die Auflösung des bisherigen Deutschen Bundes und die Errichtung eines neuen zugestand, aber von letzterm sowohl Preußen als Osterreich ausschloß, ersterm die Annektierung von Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Hessen und Braunschweig erlaubte, zugleich aber die Abtretung seiner linksrhein. Gebiete, zur Entschädigung der depossedierten Fürsten, ihm zumutete und ein franz. Protektorat über das westl. und südl. Deutschland empfahl. Durch den franz. Gesandten in Berlin, Benedetti, forderte er 6. Aug. 1866 von Bismarck die Grenzen von 1814, Rheinbayern und Rheinhessen, Auflösung des zwischen dem Deutschen Bunde und Luxemburg bestehenden Verhältnisses, Aufhebung des preuß. Garnisonsrechts in der Festung Luxemburg und Abzug der preuß. Garnison aus Mainz und stellte für den Fall einer abschlägigen Antwort die Kriegserklärung Frankreichs in sichere Aussicht. Als Bismarck alle Forderungen zurückwies und Napoleon wegen ungenügender Rüstungen keinen Krieg anzufangen wagte, wurde D. als alleiniger Urheber dieses Mung bezeichnet und erhielt 1. Sept. seine Entlassung. Seitdem spielte er keine polit. Rolle mehr; er starb 1. März 1881 zu Paris. Vgl. B. d'Harcourt, Les quatres ministères de Monsieur D.v (Par. 1882).