FeedSchleuse
VerkehrBrockhaus 1882

Schleuse, rechtsseitiger Zufluß der Werra auf der Südseite des Thüringerwaldes, bildet zuerst die Grenze zwischen Sachsen-Meiningen und dem preuß. Kreise Schleusingen, durchfließt dann den letztern und mündet oberhalb Themar; er ist für die Holzflößerei von Bedeutung. Schleusen. Die einfache Schiffahrtskammerschleuse hat den Zweck, den Verkehr von Schiffen zwischen getrennten Wasserspiegeln zu vermitteln. Sie besteht aus einer hölzernen oder gemauerten Kammer, die im untern Teile ins Niveau des unterhalb gelegenen Wasserlaufs oder Kanals reicht. Die Kammer faßt ein oder mehrere Schiffe, ist mit dichten Stemmthoren versehen, um je nach Bedarf mittels des einen oder andern Thorpaares die Kammer gegen die obere oder untere Wasserhaltung abzuschließen. Die Stemmthore sind entweder mit Schützen versehen oder es befinden sich absperrbare Umläufe um die Thore, um eine Kommunikation des Wassers in die Schleusenkammer oder aus der Schleusenkammer zu ermöglichen. Soll ein Schiff aufwärts fahren, wird bei geschlossenen Oberthoren das allfällig in der S. vorhandene Wasser zuerst durch die Schütze im Unterthor entleert, bis das Niveau in der S. und in der untern Haltung dasselbe ist, nun werden die untern Thore geöffnet, das Schiff wird eingefahren, die untern Thore werden geschlossen und durch eine Schütze im Oberthor oder mittels eines Umlaufs Wasser in die S. fließen gelassen. Das Wasser hebt sich in derselben, bis es mit dem obern Niveau gleich hoch ist; nun können die Oberthore geöffnet werden und das Schiff ausfahren. Gewöhnlich werden die S. nur für ein uh gebaut, indes gibt es auch solche für zwei und mehr Schiffe (Doppel⸗ oder Kesselschleusen), wobei nur die Kammer eine größere Breite erhält, die Häupter jedoch nur für ein Schiff konstruiert werden. Um hierbei das zuerst in die Kammer hineingefahrene Schiff auch wieder zuerst herausfahren lassen zu können, müssen die beiden Häupter nicht gegenüber, sondern schief versetzt angeordnet werden. Die Teile des Baues, in welchem die Thore liegen, heißen die Häupter. Der Boden des Unterhauptes befindet sich in gleicher Höhe mit dem Boden der Kammer und bilden beide den Unterboden, während der Boden des Oberhauptes um das Gefälle der S. höher liegt und Oberboden heißt. Das Gefälle einer S. (Differenz der Ober⸗ und Unterwasserhöhe) beträgt gewöhnlich 2 m. Es gibt jedoch auch Beispiele für ein Schleusengefälle von 6 m. Bei größern Gefällen wendet man gekuppelte, d. h. mehrere dicht hintereinander liegende S. an, bei welchen das Unterhaupt jeder obern S. zugleich Oberhaupt der folgenden untern S. ist. Um bei vorkommenden Reparaturen der Thore die Kammern wasserdicht abschließen zu können, befinden sich in den Mauern der Häupter vor und hinter den Thoren (in den sog. Vor⸗ und Hinterböden) Dammfalze zum Einlegen der Dammhalken. Bei kleinen S., die nur eine sehr geringe Breite haben, werden die Thore auch einflügelig konstruiert. Das Unterhaupt der untersten S. eines schiffbaren Kanals, welche die Verbindung des Kanals mit einem Strom herstellt, muß offenbar die höchsten Wasserstände des letztern zurückhalten, wozu man das Unterhaupt mit einem zweiten Thorpaare, welches sich in entgegengesetzter Richtung, d. h. nach dem Strom zu öffnet, versieht. Diese Thore nennt man Flutthore. Etagenähnliche Erhöhungen der Oberthore bei Seeschleusen zur Abhaltung eines selten eintretenden hohen Wasserstandes heißen Sturmthore, für welche die gewöhnlichen Oberthore die Rolle der Schlagschwellen spielen. Natürlich muß hierbei auch die Mauerung des Oberthors eine entsprechend größere Höhe erhalten. Bei sehr großen S. hat man an Stelle der festen Thore bewegliche Verschlüsse, die sich als Sperrschiffe quer vor die offnung legen, zur Anwendung gebracht. Die Erfindung der Kammerschleuse wird dem holländ. Ingenieur Simon Stevin im J. 1618 zugeschrieben. Nach Wiebeking soll bereits zur Zeit Wilhelms II. 1253 die Genehmigung zum Bau einer S. bei Spaardam erteilt und eine solche 1220 in Amsterdam erbaut worden sein. In einem Werke, das Leon Battista Alberti w1452 dem Papst Nikolaus V. überreichte, findet sich bereits die genaue Beschreibung einer Kammerschleuse. Nach Frisi soll die erste S. 1481 an der Brenta bei Padua erbaut worden sein. Mit Sicherheit läßt sich die S. erst Mitte des 15. Jahrh. nachweisen. In England wurde die erste S. erst bei der Schiffbarmachung des Calder und Aire (Gesetz vom 4. Mai 1699) in Anwendung gebracht. Wer auch der Erfinder der Kammerschleuse gewesen sein mag, sein Verdienst um die Wasserstraße ist das gleiche, wie das Stephensons um die Vervollkommnung des Landtransports. Unter den hydraulischen S. versteht man Mechanismen, bei welchen das Schiff in einer beweglichen Kammer sich vertikal aufwärts bewegt, während eine zweite Kammer, die erstere balancierend, abwärts geht. Schon im vergangenen Jahrhundert wurde von James Andersen in Edinburgh eine Art der Darstellung des Gegengewichts für die bewegliche Schleusenkammer angegeben, die später Brownunill in Sheffield wiederholte, die aber um 1840 am Grand-Western-Kanal zur Ausführung gebracht ist. Es handelte sich darum, für ganz kleine Schiffe von 8 t Tragfähigkeit hölzerne Kästen zu benutzen, die mit Schützen geschlossen und an Ketten hängen, welche über Kettenscheiben geführt sind. Das Gefälle wird etwa 14 m betragen. Die Betriebskraft wird gewonnen, indem man den sinkenden Wasserspiegel in dem sinkenden Kasten um 5 em überhöht; alsdann hebt ein Kasten den gandern. Auf diese Art kann gleichzeitig ein Schiff gehoben und eins herabgelassen werden und die Gewichte derselben sind ohne Einfluß, da jedesmal eine denselben entsprechende Wassermenge aus der [Kammer entweicht. Beide anschließende Kanalstrecken müssen in zwei Arme gespalten werden, von denen jeder mit einer Schleusenkammer in Verbindung gesetzt wird. In neuester Zeit hat diese S. ein großartiges Seitenstück an der hydraulischen S. zu Anderton am Weaverfluß und den Bauwerken in Frankreich und Belgien gefunden. Die hydraulische S. zu Anderton am Weaver⸗ [fluß, welche von Sydingham Duer erbaut, 1875 dem Betriebe übergeben wurde, besteht aus zwei Kammern von 4,½ m Breite und 23 m Länge, welche auf je einem Preßkolben ruhen, mit Wasser gefüllt sind, und Schiffe von 2500 Ctr. aufzunehmen vermag. Die Preßcylinder stehen untereinander in Verbindung, beim Betriebe bekommt der obere Kasten um 15 em mehr Wasserhöhe als der untere, erhält dadurch das übergewicht und sinkt, den untern gleichzeitig hinaufdrückend. Das Heben und Senken eines Schiffs erfordert etwa 8 m. Wenn ein beladenes Schiff abwärts und gleichzeitig ein leeres aufwärts transportiert wird, so drängt das beladene aus der Schleusenkammer so viel Wasser in das Oberwasser hinein, als seinem Gewicht entspricht, das leere Schiff entnimmt aus dem Oberwasser, wie seinem Gewicht zukommt. Ist nun die Tauchungstiefe des beladenen Schiffs bedeutend, so beträgt die hineingedrängte Wassermenge mehr als die überhöhe von 15 em und es findet geradezu eine Speisung der obern Strecke mit Wasser statt. Schleusingen, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Erfurt, in schöner, gesunder Lage 397 m über dem Meere am südl. Abhange des Thüringerwaldes an dem Flüßchen Schleuse, in das hier die Erle und die Nahe münden, gelegen, ist Sitz eines Amtsgerichts und eines Landratsamts, 4hat ein altes, gut renoviertes Schloß, zwei Kirchen und ein Gymnasium und zählt (1885) 3613 E., welche Baumwollzeuge, Bleiweiß, Glas, Papier, physik. Instrumente, Porzellan und Holzspielwaren fabrizieren. In unmittelbarer Nähe liegt ein schön gebautes Kurhaus, in welchem Fichtennadel⸗„Mineral⸗, Moor⸗ und Dampfbäder verabreicht werden. S. wird auch als klimatischer Kurort benutzt. Die Stadt gehörte, wie der ganze Kreis, der (seit 1866 mit Schmalkalden) eine Enklave am Thüringerwalde bildet, in früherer Zeit zu der Grafschaft Henneberg und kam nach dem Aussterben der Grafen von Henneberg 1583 an Kursachsen, 1815 aber an Preußen. Vgl. Geßner, „Geschichte der Stadt S. (Schleus. 1861). — Im Kreise Schleusingen, der auf 457, qkm (1885) 41816 C. zählt, liegt auch die Stadt Suhl (s. d.). Vgl. Schotte, „Statistik des Kreises S.v (Schleus. 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 405Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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