Schliemann (Heinr.), durch seine Ausgrabungen in Troja und Griechenland hochverdient um die Altertumsforschung, geb. 6. Jan. 1822 in Neu-Buckow in Mecklenburg-Schwerin als Sohn eines Geistlichen, besuchte 1834—36 die Realschule in Neustrelitz und trat dann in eine kleine Krämerhandlung in Fürstenberg als Lehrling ein, wo er über fünf Jahre blieb, bis er sich beim Aufheben eines zu schweren Fasses die Brust beschädigte und arbeitsunfähig wurde. Er ging hierauf nach Hamburg, wo er sich als Schiffsjunge an Bord eines nach La Guaira in Venezuela bestimmten Schiffs anwerben ließ, das jedoch 12. Dez. 1841 an der Küste der Insel Texel scheiterte. Völlig mittellos und krank wurde er in Amsterdam in ein Hospital gebracht und erhielt hierauf eine Stelle als Laufbursche im Handlungshause F. C. Quien. Durch eisernen Fleiß und unter großen Entbehrungen gelang es ihm, sich die Kenntnis der engl., franz., holländ., span., ital. und portug. Sprache anzueignen, und nach zwei Jahren erhielt er eine Stelle als Korrespondent und Buchführer der Firma B. H. Schröder u. Comp. in Amsterdam. Nachdem er noch die russ. Sprache erlernt, schickten ihn seine Prinzipale im Jan. 1846 als Agenten nach Petersburg, wo er in dieser Cigenschaft 11 Jahre lang thätig blieb und sich außerdem bereits 1847 als Großhändler in die Gilde einschreiben ließ. Nachdem er Anfang 1856 das Neugriechische erlernt hatte, begann er das Studium des Altgriechischen und bereiste 1858—59 Schweden, Dänemark, Deutschland, Italien, Agypten, Syrien und Griechenland. Durch kaufmännische Thätigkeit in den Besitz eines großen Vermögens gelangt, zog er sich Ende 1863 vom Handel zurück, um ganz seinem Lieblingsstudium, der griech. Archäologie, zu leben. Nachdem S. 1864 — 66 eine Reise um die Welt gemacht, besuchte er 1868 Korfu und Ithaka, durchzog Morea und wandte sich dann nach der Küste Kleinasiens. Schon von frühester Kindheit an begeistert für die Helden Homers, machte er sich nun die Erforschung des Schauplatzes ihrer Thaten und das Aufsuchen von Altertümern aus ihrer Zeit zur Lebensaufgabe. Auf eigene Kosten erforschte er, in Begleitung seiner Gattin, einer Griechin, seiner beständigen Mitarbeiterin, mit durchschnittlich 150 Arbeitern von 1870 bis 1882 die Baustelle von Ilion (Hissarlik), wo er die Trümmer von sechs Städten aufdeckte, die im Laufe der Zeiten aufeinander folgten, aber der griech. Kolonisation vorhergingen. Von diesen Städten erwies sich die zweite von unten, welche in einer furchtbaren Katastrophe unterging, als sehr goldreich. Diese verbrannte Stadt bezeichnete er als das homerische Troja. Die dort gesammelten reichen archäol. Schätze hat S. dem Deutschen Reiche geschenkt; dieselben sind im Museum für Völkerkunde zu Berlin als besondere Abteilung, die den Namen Schliemann-Museum tragt, aufgestellt. Noch großartiger war der Erfolg seiner 1876 veranstalteten Ausgrabungen in der Akropolis von Mykenä, wo er die uralten Königsgräber aufdeckte, die dem Pausanias (II, 16) als die Ruhestätten des Agamemnon und seiner gleichzeitig mit ihm von Ägisthos und Klytämnestra getöteten Gefährten gezeigt wurden. Die in diesen Gräbern von S. gefundenen Gegenstände aus reinem Gold (wie z. B. Diademe, Halsketten, Ringe u. s. w.) übersteigen 100 Pfd. an Gewicht. Im Herbst 1881 und Frühjahr 1882 grub S. die Schatzkammer in Orchomenos aus und bereicherte die Wissenschaft auch dort durch Aufdeckung einer höchst kunstvoll skulptierten Zimmerdecke aus prähistor. Zeit. In den J. 1884 und 1885 grub S. Tiryns aus, wo es ihm glückte, den umfangreichen vorhistor. Palast der Könige von Tiryns ans Licht zu bringen. Im J. 1869 wurde S. von der Universität Rostock zum Doktor der Philosophie, 1883 von der Universität Oxford zum Doktor des Civilrechts, 1881 von der Stadt Berlin zum Ehrenbürger ernannt. Seit 1871 hat er seinen wesentlichen Aufenthalt in Athen. (Vgl. die Tafel: Ausgrabungen von Mykenä, Orchomenos, Tiryns und Troja.) Seine Reisen und Ausgrabungen hat S. beschrieben in: La Chine et le Japono (Par. 1866), „Ithaka, der Peloponnes und Troja »„ (Lpz. 1869; franz., Par. 1869), «Trojanische Altertümer » (mit Atlas, deutsch und franz., Lpz. 1874), Mykenäv (mit Vorwort von W. E. Gladstone, Lpz. 1878; engl., Lond. u. Neuyork 1878; franz., Par. 1879), „Ilioso (mit Vorwort von R. Virchow, Lpz. 1881; engl., Lond. u. Neuyork 1881; franz., Par. 1885), „(Orchomenos (Lpz. 1881; engl. im Journal of Hellenic studies v, 1881), «Reise in der Troas v (Epz. 1881), Trojay (mit Vorwort von A. H. Sayce, Lpz. 1883; engl., Lond. u. Neuyork 1883), „Tirynso (mit Vorwort von F. Adler und Beiträgen von W. Dörpfeld, Lpz. 1886; engl., Lond. u. Neuyork 1886; Darftt Par. 1886). Schliengen,‚ Marktflecken im bad. Kreise Lörrach, Amt Müllheim, 3 km rechts vom Rhein, 258 mu über dem Meere, am Fuße des Schwarzwaldes, der weiter südlich vom Orte dicht an den Strom tritt, ist Station der Linie Heidelberg-Basel der Badischen Staatsbahnen, hat (1880) 1207 E., eine kath. Pfarrkirche, Viehzucht und Weinbau. Hier erlitt am 24. Okt. 1796 der franz. General Moreau durch Erzherzog Karl eine Niederlage, welche den Rückzug der Franzosen über den Rhein nach Hüningen zur Folge hatte.