FeedSchlupfwespen
TierreichBrockhaus 1882

Schlupfwespen (Ichneumonidae) heißt eine Familie der Hymenopteren, deren zahlreiche, über die ganze Welt verbreitete (von Gerstäcker auf 4000—5000 geschätzte) Arten sehr schwierig zu bestimmen sind. Der Körper ist meist sehr schlank, Fühler vielgliederig, borsten⸗ oder fadenförmig und fast immer in unruhiger, zitternder Bewegung; die Flügel sind kräftig mit starken Adern. Die Weibchen haben einen Legbohrer von sehr verschiedener Länge, der bisweilen kaum hervorragt, bisweilen aber auch von dreifacher Körperlänge sein kann; sie legen ihre Eier hauptsächlich in Schmetterlingsraupen, von deren Fettkörpern sich die ausgekrochene Larve ernährt, aber weder Cier, noch Larven, noch Puppen, selbst ausgebildete Imagines anderer Gliedertiere werden verschont, ja man will sogar Nacktschnecken von ihnen angestochen gefunden haben. Die Tiere spielen demnach eine große Rolle in der Natur und sind für den Menschen durch Vertilgung ungeheuerer, den Forsten, Gärten und Feldern schädlicher Raupenscharen äußerst nützlich. Zu den echten Schlupfwespen (Ichneumonidae genui⸗- nae) gehört Ichneumon persuasorius (Tafel: Insekten IV, Fig. 7), sehr schlank, 16—32 mm lang, mit einem Legbohr von der doppelten Länge des Hinterleibes, von glänzend schwarzer Farbe mit weißen Flecken, Beine rotbraun; fliegt vom Juli bis September in unsern Nadelwäldern und bohrt durch das Holz die Larven der großen Holzwespe an. Zu einer andern Gruppe der S., zu den Braconiden, gehört Microgaster nemorum (Tafel: Insekten IV, Fig. 6), gegen 3 mm lang, glänzend schwarz mit rötlichgelben Beinen; das Weibchen sticht im Herbst die Raupen großer Spinner, besonders des so schädlichen Kiefernspinners an, in der die Larven überwintern.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 416Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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