FeedSchmalkalden
ErdkundeBrockhaus 1882

Schmalkalden, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Kassel, am südwestl. Abhang des Thüringerwaldes in einem engen Thale, am Einfluß der Stille in die Schmalkalde, durch Zweigbahn nach Wernshausen mit der Werrabahn verbunden, ist Sitz eines Landratsamts, eines Amtsgerichts und eines Bergamts, hat ein Realprogymnasium und eine Töchterschule und zählt (1885) 6788 E. Auf einem Vorsprung des Questenbergs erhebt sich das im Renaissancestil erbaute Schloß Wilhelmsburg mit sehenswerter Kapelle. Am Altenmarkte steht die got. Hauptkirche (1413 —1509 erbaut), die neuerbaute Post und das got. Rathaus, in welchem 1531 der Schmalkaldische Bund geschlossen und 1537 die Schmalkalder Artikel unterzeichnet wurden. Den Platz schmückt eine Germania zum Andenken an Karl Wilhelm, den in S. geborenen Komponisten der »Wacht am Rhein », und ein Brunnen mit der Büste Luthers. Am Luthersplatz steht das sog. Lutherhaus (F. Wilisch), in welchem der Reformator 1537 wohnte. Am westl. Ende der Stadt liegt das neu eingerichtete Solbad mit sehr wirksamer Quelle und Inhalationshalle. Den Haupterwerbszweig der Stadtbewohner sowie der Umgebung bildet die Eisen⸗ und Stahlfabrikation, die Anfertigung der Schmalkalder Artikel, wie Ahlen, Bohrer, Zangen, Striegel, Löffel u. s. w. In der Nähe von S. wird ansehnlicher Bergbau auf Eisen betrieben. S., dessen schon in einem Dokument aus dem J. 874 Erwähnung geschieht, war früher die Hauptstadt der Herrschaft Schmalkalden, die 1360 durch Kauf von den Burggrafen von Nürnberg an Hessen und Henneberg kam, aber nach Aussterben der Grafen von Henneberg (1583) in den alleinigen Besitz von Hessen überging. Mit ganz Kurhessen kam 1866 auch die Herrschaft S. an Preußen und bildet seitdem den Kreis Schmalkalden, der auf 280 qkm (1885) 31 108 E. zählt. Von dem Areal der Herrschaft S. ist über die Hälfte mit Wald bedeckt. Durch Vertrag vom 14. Sept. 1866 trat Preußen die schmalkaldischen Staatsforste an den Herzog Ernst von Coburg-Gotha ab. Diese Forste zerfielen 1867 in sechs Reviere. Vgl. Häfner, (Geschichte der Herrschaft S.» (Meining. 1818); Wagner, «Geschichte der Stadt und Herrschaft S.d (Marb. 1849); „S. und seine Solquelleno (Schmalk. 1878); Wilisch, S. und seine Umgebungend (Schmalk. 1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 419Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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