FeedSchmidt (Wilh. Adolf)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Schmidt (Wilh. Adolf), namhafter deutscher Geschichtschreiber, geb. 26. Sept. 1812 zu Berlin, studierte daselbst Philologie und Geschichte. Nachdem er dann einige Jahre als Gymnasiallehrer gewirkt, habilitierte er sich Ende 1839 als Privatdocent der Geschichte zu Berlin. Von ihm erschienen zunächst 4 Fors Bert 1 auf dem Gebiete des Altertumso (Bd. 1, Berl. 1842), in denen er mit Unterstützung der Akademie der Wissenschaften die griech. Papyrusurkunden der königl. Bibliothek herausgab, mit daran sich knüpfenden Untersuchungen über This und Abydos, die Purpurfärberei und den Purpurhandel im Altertum, das System der ägypt. Körpermaße und die Geschichte der Tutel. Im J. 1844 begann er die Zeitschrift für Geschichtswissenschafto, die bis Mitte 1848 erschien (9 Bde., Berl.). Inzwischen 1845 zum außerord. Professor ernannt, beteiligte sich S. an der Begründung der Germanistenversammlungen (1846), gab seine 4Geschichte der Denk⸗ und Glaubensfreiheit im 1. Jahrh. der Kaiserherrschaft und des Christentums» (Berl. 1847) heraus und hielt zugleich stark besuchte öffentliche Vorlesungen über neueste Geschichte. Dies hatte zur Folge, daß er im Frühjahr 1848 für einen berliner Wahlbezirk in das frankfurter Parlament gewählt wurde, wo er der Fraktion des Württemberger Hofs angehörte. Zur Zeit des erfurter Parlaments veröffentlichte er die Schrift «Preußens deutsche Politiko (Berl. 1850: 3. Aufl. 1867) und gab unter Benutzung des Geheimen Staatsarchivs die „Geschichte der preuß.⸗ deutschen Unionsbestrebungen seit der Zeit Friedrichs d. Gr.» (Berl. 1851) heraus. Ostern 1851 folgte er einem Rufe als Professor der Geschichte an die Universität Zürich. S. begründete daselbst die züricher Monatsschrift v (4 Bde., Zür. 1856 — 59) und ließ folgende Schriften erscheinen: «Der Aufstand in Konstantinopel unter Kaiser Justiniano (Zür. 1854), 4Zeitgenössische Geschichten: I. Frankreich von 1815 bis 1830. II. Osterreich von 1830 bis 1848 (Berl. 1859), und im Hinblick auf die Eventualität eines deutsch-franz. Kriegs Elsaß und Lothringenv (Lpz. 1859; 3. Aufl. 1870), worin er im Fall eines solchen den Wiedererwerb dieser Provinzen als deutsches Ziel in Aussicht stellte. Ostern 1860 ging er als Professor der Geschichte an die Universität Jena, wo er seitdem mit vielem Erfolge gewirkt hat. Von seinen weitern histor. Arbeiten sind hervorzuheben: Tableaux de la révolution françgaise publiés sur les papiers inédits du département et de la police secrête de Pariso (3 Bde. und Register, Lpz. 1867 — 71), Chpochen und Katastropheno (Berl. 1874), Pariser Zustände während der Revolutionszeit 1789 — 18005 (3 Bde., Jena 1874 — 76; franz. übersetzung von Paul Viollet, 2 Bde., Par. 1880—85), (Das Perikleische Zeitalter. Darstellung und Forschungeno (Bd. 1 u. 2, Jena 1877—79). Damit in Verbindung stehen eingehende Arbeiten über die griech. Chronologie in den Jahrbüchern für klassische Philologier (1884 u. 1885). Auch wurde von ihm die achte Auflage der Beckerschen Weltgeschichtes (18 Bde., Berl. 1860—63) herausgegeben. Von 1874 bis 1876 vertrat er als nationalliberales Mitglied den dritten weimarischen Wahlkreis (Jena) im Deutschen Reichstage.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 431Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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