FeedSchmidt (Heinr. Julian)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Schmidt (Heinr. Julian), namhafter Litterarhistoriker, geb. 7. März 1818 zu Marienwerder, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und widmete sich 1836 —40 zu Königsberg geschichtlichen und philol. Studien. Nachdem er seit Nov. 1842 als Lehrer an der Luisenstädtischen Realschule zu Berlin gewirkt, siedelte er im März 1847 nach Leipzig Über, um sich an der Redaction der Grenzbotend, die damals unter Kurandas Leitung standen, zu beteiligen. Im Juli des folgenden Jahres wurde S. mit Gustav Freytag Eigentümer dieser Zeitschrift. Im Dez. 1861 wandte er sich wieder nach Berlin, wo er zwei Jahre hindurch die Berliner Allgemeine Zeitunge, das Organ der altliberalen Partei, redigierte. Er starb 27. März 1886. Sis erste Arbeit von Bedeutung war die Geschichte der Romantik im Zeitalter der Reformation und Revolutiono (2 Bde., Lpz. 1850). Die zahlreichen kritischen und litterarhistor. Artikel, die er für die (Grenzboten verfaßte, bildeten zum Teil die Grundlage für S.s „Geschichte der deutschen Nationallitteratur im 19. Jahrh.» (2 Bde., Lpz. 1853), sein eigentliches Hauptwerk, welches in vier-Auflage unter dem Titel Geschichte der deutschen Litteratur seit Lessings Tody (3 Bde., Lpz. 1858) terschien. Die scharfe Kritik dieser ersten Auflagen trat in der vollständig umgearbeiteten fünften Auflage des Werks (3 Bde., Lpz. 1865—67) hinter die streng histor. Forschung zurück. Eine neue Auflage, in welche ein anderes Werk S.s, die (Geschichte des geistigen Lebens in Deutschland von Leibniz bis auf Lessings Todo (zuerst 2 Bde., Lpz. 1860—64) hineingearbeitet ist, erschien kurz vor seinem Tode unter dem Titel: „(Geschichte der deutschen Litteratur von Leibniz bis auf unsere Zeith (Bd. 1 u. 2, Berl. 1886; die drei übrigen Bände sind im Manuskript vorhanden). Von Bedeutung ist auch S.s „Geschichte der franz. Litteratur seit der Revolution 1789 (Lpz. 1858, 2. Aufl. 1873 — 74). Seine „Bilder aus dem geistigen Leben unserer Zeit (5 Bde., Lpz. 1870—78) sind eine Sammlung interessant und geistvoll geschriebener Essays litterar- und kulturhistor. Inhalts. Von S.s übrigen Schriften sind noch 4Schiller und seine Zeitgenossenv (Lpz. 1859) und Übersicht der engl. Litteratur im 19. Jahrh.v (Sondersh. 1859), die Einleitungen zur deutschen Übertragung der Werke von Dickens und von Heinrich von Kleist (1859), sowie zu Herders (Cido und „Ideen „ (1868) hervorzuheben. Im März 1878 wurde ihm vom Kaiser Wilhelm ein jährlicher Ehrengehalt bewilligt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 429Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6