FeedBiedermann (Friedr. Karl)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Biedermann (Friedr. Karl), namhafter deutscher Publizist, Politiker und Kulturhistoriker, geb. 25. Sept. 1812 zu Sarsid widmete sich seit 1830 erst in sener Vaterstadt, dann zu Heidelberg theol. und philol. Studien, wandte sich jedoch bald ausschließlich den philos. Wissenschaften zu und habilitierte sich 1835 als Lehrer derselben an der Universität zu Leipzig, wo er 1838 eine außerord. Professur erhielt. Seine litterarische Thätigkeit eröffnete er mit einer Surdten Wisenthant mn Lpz. 1837), welcher die ũ1 „Wissenschaft und Universitäte (Lpz. 1839) und »Die deutsche Philosophie von Kant bis auf unsere Tager (2 Bde., Lpz. 1842 —43) folgten. Er begründete 1842 die Deutsche Monatschrift für Litteratur und öffentliches Lebeno und 1844 den «Herolde, eine Wochenschrift für Politik, Litteratur und öffentliches Gerichtsverfahren. Erstere ward 1846 in die Vierteljahrschrift Unsere Gegenwart und Zukunfto (bis 1848) verwandelt, während die letztere 1847 einging. Wegen einer öffentlich gehaltenen Rede wurde ihm 1845 das Halten staatsrechtlicher Vorlesungen verboten. In der Folge Disonuls er (Vorlesungen über Sozialismus und soziale Frageno (Ipz. 1847) und eine „Geschichte des ersten 7.— eichstags» (1847). Das Jahr 1848 *. auf das Gebiet der praktischen Politik. Nach einer kurzen diplomatischen Mission nach Berlin im Auftrage des neuen sächs. Ministeriums trat er in das Vorparlament zu rankfurt ein und wurde von diesem in n Nalfoziger-Ausschuß gewählt. In der Deutschen Nationalversammlung, in welcher er den sachs. Wahlbezirk Zwickau vertrat, fungierte er einige Zeit als erster Vizepräsident. B. gehörte zuerst dem linken Centrum (Württemberger Hof), nach dem Septemberaufstande in Frankfurt dem rechten (Augsburger Hof) an. Später war er einer der Begründer und der fast fortwährende Vorsitzende des sog. Weidenbuschvereins oder der Erbkaiserpartei. Nach seinem Austritt aus der Versammlung, welcher erst kurz vor ihrer Übersiedelung — Stutt art erfolgte, schrieb er Erinnerungen aus der Paulskircher (Lpz. 1849), in denen er die Parteibestrebungen treffend charakterisierte. B. nahm hierauf am Nachparlament in Gotha teil und vertrat als Abgeordneter zur Zweiten sächs. Kammer des Landtags 1849 — 50 den Anschluß an die deutsche Unionspolitik Preuens. Der Antrag auf ein Mißtrauensvotum gegen as Kabinett Beust, den er als Referent des Deutschen Ausschusses stellte, ward die Ursache der Auflösung dieses Landtags. B. gab damals ein publialten Stände aus dem 500„ des Rechts und der Politiko (Lpz. 1850). Im J. 1850 übernahm B. die Leitung des eneyklop. Werks: «Germaniay, an deren Stelle er 1852 die Deutschen Annalenp setzte. Als verantwortlicher Herausgeber der letztern wurde er wegen eines gegen den franz. Staatsstreich vom 2. Dez. 1851 gerichteten Aufsatzes, dessen Verfasser L. von Rochau war, in einen Preßprozeß verwickelt, in dessen Folge er 1854 nicht nur eine einmonatliche Gefängnisstrafe zu verbüßen hatte, sondern auch seiner Professur entsetzt wurde. B. widmete sich jetzt vornehmlich histor. Studien, deren Ergebnis das kulturhist. Werk: „Deutschland im 18. Jahrh. » (4 Bde., Lpz. 1854 —80) war; dasselbe gibt ein allseitiges Bild der schen Allgemeinen Berbindn mit der er bereits seit —⁷ eitung (Ende 1879). Im J. 1864 verfaßte olit. und sozialen Zuständen der Völkerr m 3. 1881 verfaßte er das .Gesane Geschichtswert: „Dreißig Jahre deutscher eschichte 1840— 70 (2 Bde., Bresl. 1881 — 82). Auch auf dramatischem Gebiet hat sich B. versucht mit drei histor. rich IV.v (1861), Otto III.d (1862) und —5 zur Aufführung gelangt sind. Im Sommer 1866 Ube B. an die Spitze der neugebildeten Nationali net Partei in Sachsen, die er auch als Ab1enen 8007 in der Zweiten Kammer des Landtags 135 Dach 4b er für den 15. sächs. Wahlkreis) „die im Landtage 1876auf. Als fessor war B. schon 1865 wied ungehteütworogn: Marien i lied des Direktoriums der Chemnitz-Rieseunsmitbahngesell chaft, 1851, nachdem die Chemuih-Hesaer Eisenbahn in Staatsbesitz Aaatzeisenan war, vorsitzender Direktor bei der Staatseisenbahndirektion, die baln Sitz bis 1853 in Döbeln, seitdem in Chemnitz hatte, 1858 stellvertretender Vorsitzender der Staatseifenbahndirektion zu Leipzig und 1869 stellvertretender Generaldirektor und Vorstand der technischen Abteilung der Generaldirektion zu Dresden mit dem Titel eines Geheimen Finanzrates. Als Schriftsteller hat sich B. durch mehrere wertvolle Beiträge zur Goethe-Litteratur einen Namen gemacht. Hervorzuheben sind besonders: Goethe und Leipzig⸗ (G0 1865), Zu Goethes Gedichtend (Lpz. 1870), Goethes Briefe an Eichstädto (Berl. 1872), die Herausgabe von Goethes «Aufsätzen zur Litteraturo, Tag⸗ und Jahresheftenv, Amtlichen und gesellschaftlichen Vorträgen» u. s. w. (in Hempels Goethe-Ausgabe), Goethe und Dresdend (Verl. 1875), Goethe und das sächs. Erzgebirger (Stuttg. 1877), «Goet Iuddenr Run (Frankf. a. M. 1879). — Von B.s Brüdern führte Oskar Moritz, Autene voz von B., geb. 26. Nov. 1818, im Deutschen Kriege von 1866 als Generalmajor die 2. sächs. Kavalleriebrigade, nahm 1869 seinen Abschied und lebt seitdem auf seinem Rittergut Niederforchheim. — Ein anderer Bruder, Detlev Wilibald, Iudierte von B., geb. 22. Okt. 1823 zu Dresden, tudierte Naturwissenschaften und Landwirtschaft, war dann mehrere Jahre zu Forchheim im Erzgebirge ansässig und lebt seitdem in Dresden. Er schrieb unter anderm: «Uber die Pflichten und Rechte der Rittergutsbesitzer» (2. Aufl., Dresd. 1866), und unter dem Pseudonym Wilibald den Roman «Kleines Treiben aus einer kleinen Stadte (Lpz. 1869).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 21Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6