FeedSchuorr von Carolsfeld (Veit Hans)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Schuorr von Carolsfeld (Veit Hans), Maler und Zeichner, geb. zu Schneeberg im sächs. Erzgebirge 11. Mai 1764, studierte in Leipzig die Rechte und war Notar geworden, widmete sich aber später in Leipzig unter der Leitung Ssers der Kunst. Er wollte Seume 1801 auf dessen Reise nach Italien begleiten, kam aber nur bis Wien und besuchte hierauf Paris. Im J. 1816 wurde er zum Professor und Direktor an der leipziger Akademie ernannt, der er bis an seinen Tod 30. April 1841 vorstand. Bekannt ist sein Unterricht in der Zeichenkunste (Lpz. 1810, mit 61 Tafeln). Die Stoffe zu der Mehrzahl seiner Gemälde sind den romantischen Dichtungen der damaligen Zeit, z. B. Kosegartens Jukundey u. a., entnommen und offenbaren gemütvolle Auffassung bei ziemlich philiströser Vortragsweise. Schnorr von Carolsfeld (Jul.), ausgezeichneter deutscher Maler, Sohn des vorigen, geb. 26. März 1794 zu Leipzig, erhielt durch den Vater den ersten Unterricht und ging dann 1811 nach Wien. Während der ersten Jahre seines Aufenthalts daselbst besuchte er die Akademie der Künste. Da ihm aber die antikisierende Richtung nicht zusagte, wandte er sich mit einigen Gleichgesinnten der Richtung zu, welche in der altdeutschen Schule und deren Kunstanschauungen ihr Vorbild sah. Dieser Zeit gehören die Ilgemälde Sechskampf nach Ariost (Privatbesitz, Dresden), Besuch der Eltern des Johannes bei den Eltern Christi (Galerie zu Dresden) und Almosenspende des heil. Rochus (Museum zu Leipzig) an. Im Herbst 1817 wandte sich S. nach Italien. Hier hielt er sich in Florenz längere Zeit auf, wo die Werke der alten Meister ihn fesselten. Anfang 1818 kam er nach Rom, wo damals die Führer der neudeutschen Schule, Cornelius, Overbeck und Veit, in voller Thätigkeit waren, denen sich S. aus tiefster überzeugung anschloß. Außer diesen wurden ihm die altital. Meister des Quattrocento besonders vertraut. Nach Vollendung einer größern Komposition: Hochzeit zu Kana (Privatbesitz, in England) in Ol, erhielt er den Auftrag zur Ausschmückung eines Zimmers in der Villa des Marchese Massimi. S. hatte Ariosts &Orlando furiosoy in einem größern Cyklus von Darstellungen zu behandeln. Er löste die Aufgabe in den Jahren bis 1826 so glänzend, daß er durch König Ludwig J. von Bayern nach München berufen wurde. Gleichzeitig beschäftigten ihn landschaftliche Studien, welche ebenso wie die figürlichen sein erstaunliches Zeichnertalent an den Tag legen (eine Auswahl Landschaften ist 1878 in Lichtdruck durch M. Jordan herausgegeben worden). Nachdem er in Rom noch mehrere Staffeleibilder (Jakob und Rahel, Ruth und Boas, eine Madonna, die Flucht nach Agypten, Christus und die Kinder, Verkündigung Marias, letztere für das Stift zu Wurzen) ausgeführt, trat er 1827 die Professur der Historienmalerei an der münchener Akademie an. Alsbald nach seiner übersiedelung beauftragte ihn der König, im Erdgeschoß der neuen Residenz fünf Prunkgemächer mit Darstellungen aus dem Nibelungenliede auszuschmücken. Die Ausführung dieser Fresken wurde jedoch auf einige Jahre unterbrochen, da ihm unterdessen die Ausmalung von drei großen Sälen des Festsaalbaues mit kolossalen Darstellungen aus der Geschichte Karls d. Gr., Barbarossas und Rudolfs von Habsburg übertragen worden war. Außerdem hatte S. in München, wo er auch mehrere Olbilder für Privatpersonen ausführte, noch einen Fries im Residenzschlosse mit Darstellungen aus den Homerischen Hymnen entworfen. Im J. 1846 folgte er sodann dem Rufe als Direktor der Gemäldegalerie und Professor an der Akademie der bildenden Künste nach Dresden, von wo er jedoch in den nächsten Jahren zeitweise nach München zurückkehrte, um die Nibelungenfresken zu vollenden. Während eines durch diese Arbeit veranlaßten Aufenthaltes daselbst erblindete er durch einen plötzlichen Krankheitszufall auf einem Auge. Unter den münchener Freskomalern ist S. derjenige, welcher mit der idealen Komposition am meisten individuelles Leben verbindet. (Der gesamte Nibelungen-Cyklus S.s ist in Photographie nach den Originalgemälden publiziert, mehrere Einzelkompositionen sind gestochen worden. Die Kartons sind zerstreut, zum Teil im Besitz der Nationalgalerie in Berlin und des Museums zu Leipzig, zum Teil Eigentum der Witwe des Künstlers. Die Kartons zu den Kaisersälen in München besitzt fast sämtlich das Museum Johanneum in Dresden. Auch aus diesem Cyklus wurden mehrere Bilder durch den Stich vervielfältigt.) In Dresden brachte er, auf die Sehkraft eines Auges beschränkt, sein großes Illustrationswerk, die schon in Rom begonnene und in München nach Möglichkeit weiter geführte Bibel in Bilderno (240 Tafeln in Holzschnitt mit Text, Lpz. 1852—60) zu Stande, ein Werk, das S.s Namen auch in weiten Kreisen populär gemacht hat. Schon vorher hatte er in Gemeinschaft mit Neureuther die Illustrationen zu der ersten Cottaschen Prachtausgabe des Nibelungenliedes geliefert, welcher später eine zweite nachfolgte. Überdies gehören der dresdener Periode seines Wirkens noch an: das für München bestimmte große Ölbild Luther auf dem Reichstage zu Worms und die Kompositionen zu den Glasmalereien für die Paulskirche in London. Das dem Apostel Paulus gewidmete Hauptfenster war 1867 bereits am Orte seiner Bestimmung aufgestellt. S. leitete die Überführung der dresdener Galerie in das neuerbaute Museum, trat 1871 von seinem Amte zurück und starb 24. Mai 1872. S.s zweiter Sohn, Ludwig S., geb. 2. Juli 1836 zu München, hat sich als Opernsänger einen geachteten Namen erworben. Er trat zuerst beim Hoftheater in Karlsruhe auf und erhielt Ostern 1860 ein Engagement am Hoftheater zu Dresden, wo er bis zu seinem 21. Juli 1865 erfolgten Tode wirkte. In seinen Leistungen als Heldentenor wandte er neben dem musikalischen Teil seiner Aufgabe dem Spiel und der Darstellung besondern Fleiß zu. S.s Lieblingsaufgaben bildeten die Helden in den Opern Richard Wagners. Kurz vor seinem Tode wirkte er im Juni und Juli 1865 zu München bei der ersten Aufführung von Wagners Tristan und Isolder mit, wobei er die schwierige Rolle des Tristan übernahm, während seine Gattin, Malvina S., geb. Garrigues, die der Isolde vertrat. Im J. 1867 gab seine Witwe einige Lieder S., zusammen mit eigenen, heraus. S.s vierter Sohn, Franz S., geb. 11. April 1842 zu München, ist Bibliothekar an der königl. öffentlichen Bibliothek in Dresden und Herausgeber der Zeitschrift Archiv für Litteraturgeschichtes. Außer einer Dissertation über die Homerische Wortstellung (Berl. 1864) veröffentlichte er: „Zur Geschichte des deutschen Meistergesangso (Berl. 1872).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 450Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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