FeedSchönbrunn
GeschichteBrockhaus 1882

Schönbrunn, berühmtes kaiserl. Lustschloß in Niederösterreich, südwestlich bei Wien, am Wienflüßchen, zwischen den Dörfern Hietzing und Meidling, war schon unter Kaiser Maximilian II. ein fürstl. Jagdschloß, von diesem Herrscher auf einem ehemals klosterneuburgischen Grunde errichtet und mit einem Tiergarten versehen. In seiner jetzigen Gestalt ist es erst unter Kaiser Leopold I., der das Schloß für seinen Sohn Joseph I. herstellen ließ, nach dem Plan des berühmten Architekten Fischer von Erlach begonnen und unter Maria Theresia 1744 mit einzelnen Veränderungen des ursprünglichen Plans durch Pacassi vom Baumeister Valmagini völlig ausgebaut worden, von großartigen Parkanlagen umgeben und dient seitdem dem Hofe teilweise zum Sommeraufenthalt. Die größte Länge des Gartens beträgt 1480, die leben-Breite 1190 m. Mit Einschluß sämtlicher Nebengebäude, welche viele Wohnungen und Abteilungen, sowie ein hübsches Schloßtheater enthalten, wird die Zahl aller Zimmer und Gemächer des Schlosses auf 1441 angegeben; darunter das Blaue Kabinett, ein Lieblingsaufenthalt der Kaiserin Maria Theresia, das Zimmer, in welchem Napoleon I. 1809 wohnte und sein Sohn, der Herzog von Reichstadt, 1832 starb. Sehenswert sind die schöne Schloßkapelle, der große herrliche Saal mit den Spiegelwänden und dem kunstvollen Plafondgemälde, die drei Landschaftszimmer, das Zimmer mit den Hamiltonschen Gemälden und der Ceremoniensaal. Zunächst am Schlosse befindet sich die große Orangerie und andere geschlossene Gartenanlagen. Das schöne Parterre ist mit 32 Marmorstatuen und Marmorgruppen geziert. Der Park enthält herrliche Alleen, mehrere Bassins, den Kaiser⸗ oder Schönen Brunnen, welcher der ganzen Anlage den Namen gegeben hat, Fasanerien, eine Menagerie, einen botan. Garten, auf der Höhe des Schönbrunnerbergs das sog. Gloriett, ein 95 mlanges, 19 m hohes, 1775 aufgeführtes Prachtgebäude mit einer herrlichen Kolonnade, Waldpartien u. s. w. In S. wurde 26. Dez. 1805 der zu Preßburg (s. d.) Lon Lidie Frieden bestätigt, 27. Dez. von Napoeon I. die Proklamation gegen die Dynastie Bourbon in Neapel, 15. Mai 1809 dessen Aufruf an die Ungarn erlassen, 14. Okt. w1809 der Wiener Friede abgeschlossen. Vgl. Lertner, «Monographie des kaiserl. Lustschlosses S.» (Wien 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 462Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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