FeedSchöpfrad
TechnikBrockhaus 1882

Schöpfrad, eine Wasserhebemaschine, bestehend aus einem sich um eine horizontale Achse drehenden Rad, welches auf einem Teil seines Umfangs mit kleinen Gefäßen besetzt ist, die ins Wasser tauchen, sich mit Wasser füllen und dasselbe in eine Rinne ausgießen, sobald sie ihren höchsten Stand erreicht haben. Die Gefäße können beweglich sein; sie hängen dann in Scharnieren und kippen um, wenn sie mittels eines seitlich an ihnen angebrachten Bügels an die Rinne streifen. Sind dieselben fest, so müssen sie derart angeordnet sein, daß sie in der höchsten Stellung das Wasser von selbst ausfließen lassen. Ein Zellenrad ist ein S., dessen Radkranz durch Scheidewände in Zellen geteilt ist, welche auf ihrem Umfang oder seitlich die zum Schöpfen und Ausgießen notwendigen Offnungen haben. Eine besondere Art der Zellenräder bildet das Trommelrad oder Tympanum, eine durch radiale Scheidewände abgeteilte Trommel, die um eine horizontale, als Ausgußrinne dienende hohle Achse rotiert. Eine andere Abart der Zellenräder ist das Schneckenrad, dessen Zellen spiralförmig gewunden sind und ihren Juhalt gleichfalls in eine hohle Achse entleeren. Die Schöpfräder, deren Er⸗ l findung den Chinesen zugeschrieben wird, waren früher besonders bei Bewässerungen und Entwässerungen in Gebrauch und finden für diese Zwecke t noch jetzt in außereurop. Ländern Verwendung, Wim sie in Europa nur in einzelnen Fällen, z. B. in der Papierfabrikation als Regulatoren bei den Papiermaschinen, sowie zur Beseitigung des schmutzigen Wassers aus den Siebtrommeln der Waschholländer zur Anwendung kommen. Schöpfung. Nach der biblischen Vorstellung ist die Welt nach Stoff und Form ein Erzeugnis des göttlichen Machtwillens. Die alte biblische Darstellung (1 Mos. 1, 1 bis 2,3) läßt Gott in sechs Tagewerken Himmel und Erde erschaffen, wobei die Erzeugung des untergeordneten Stoffs den Anfang, die S. des Menschen den Schluß bildet. Abweichend hiervon läßt die zweite Erzählung (1 Mos. 2, 4 fg.), welche des Siebentagewerks nicht gedenkt, die Tiere erst nach dem Menschen erschaffen werden. Beiden Darstellungen liegt die antike Anschauung zu Grunde, welcher die Erde als Mittelpunkt der Welt, der Himmel als ein über ihr ausgespanntes Gewölbe, Sonne, Mond und Sterne als am Himmel befestigte Lichter galten. Von den Kosmogonien anderer morgenländ. Völker unterscheidet sich die hebr. Schöpfungssage teils durch ihre schlichtere, alles Abenteuerliche und Ungeheuerliche ausschließende Form, teils durch ihren reinern religiösen Gehalt, indem sie, jede Vermischung Gottes und der Welt fern haltend, letztere durchaus nur als Werk des freien göttlichen Schöpferwillens betrachtet. Gegenüber der im Orient, aber auch bei den griech. Philosophen und später bei den Gnostikern verbreiteten Theorie einer ewigen Materie bildeten sich die kirchlichen Vorstellungen von einer S. aus nichts und einer S. in der Zeit, doch wurde letzterer schon seit Origenes von tiefer denkenden Kirchenlehrern die Annahme einer sog. ewigen, richtiger anfangslosen S. gegenübergestellt, weil es weder anging, Gott erst in der Zeit anfangen zu lassen Schöpfer zu werden, noch der wirklichen, durch Wechsel und Geschehen erfüllten Zeit eine ewige, inhaltsleere Zeit vorauszuschicken. Neuerdings ist jedoch der ganze Schöpfungsbegriff noch von einer andern Seite in Anspruch genommen worden. Während nämlich die kirchliche Vorstellung Gott als vorweltliches und außerweltliches Einzelwesen betrachtet, das den Entschluß, eine Welt zu schaffen, erst gefaßt, dann ausgeführt habe, denkt sich die neuere Religionsphilosophie Gott vielmehr als den ewigen, der Welt innewohnenden, schlechthin geistigen Urgrund derselben, der sich zur wirklichen Welt wie das absolute, Zeit und Raum mit allem zeiträumlichen Dasein in schlechthin überzeitlicher und überräumlicher Weise begründende Ursein zu der durch sein ewiges Wirken gesetzten Offenbarung verhält. Gott und Welt sind auch nach diesem Begriff schlechthin unterschieden, die Geistigkeit Gottes nur strenger und konsequenter als nach der gewöhnlichen Vorstellung gefaßt. Das Recht der religiösen Betrachtung, welche als Zielpunkt des gesamten Weltprozesses den Menschen und die Gemeinschaft Gottes mit ihm in der Liebe erkennt und von hier aus zurückblickend die Welt überhaupt als Offenbarung der ewigen Liebe betrachtet, ist hierdurch keineswegs ausgeschlossen. Die neuere Orthodoxie hat indes nicht bloß den kirchlichen Schöpfungsbegriff rehabilitiert, sondern auch die Geschichtlichkeit der biblischen Schöpfungssage mit größtem Eifer verteidigt, wobei sie freilich die Schöpfungstage zu „Schöpfungsperioden» umdeuten mußte. Die neuere Naturwissenschaft nimmt dagegen an, daß die Erde nebst den übrigen zum Sonnensystem gehörigen Planeten aus von der Sonnenatmosphäre losgelösten Massen sich gebildet habe, und es hat diese zuerst von Laplace aufgestellte Theorie in neuester Zeit durch die Ergebnisse der Spektralanalyse (s. d.) eine wesentliche Stütze erhalten, indem sämtliche auf der Sonne bis jetzt nachgewiesenen Elemente auch der Erde angehören. Anfangs war die Erde ohne lebende Bewohner; erst, nachdem die obern Schichten der Erde sich hinlänglich abgekühlt und Wasser und Festland sich geschieden hatten, entstanden, unter Durchlaufung höchst umfänglicher geolog. Epochen, allmählich pflanzliche und tierische Organismen. (Vgl. Darwinismus, Bd. IV, S. 895.) Unter den Begriff einer Neuschöpfung fällt, im Gegensatze zur Fortpflanzung durch Samen, Cier oder durch Teilung (generatio homogenea), die elternlose oder Urzeugung (generatio heterogenea).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 470Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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