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ReligionBrockhaus 1882

Schulferien sind die mehrere Tage oder Wochen umfassenden Zeiten, in welchen der Schulunterricht ausfällt. In ihnen sollen sich Lehrer und Schüler erholen, ausschließlich sich ihren Familien widmen, ihre Zeit freier benutzen und sich fr die neue Arbeit wieder Lust und Kraft sammeln. Ihre jährliche Gesamtdauer ist gewöhnlich eine etwa zehnwöchentliche. Sie lehnen sich teils an kirchliche Feste an (Oster⸗, Pfingst⸗ und Weihnachtsferien), teils an davon unabhängige Abschnitte des Schullebens (Michaelisferien); teils sind sie durch die Hitze der Jahreszeit bedingt, wie die Hundstags⸗ oder Sommerferien, teils durch die das Familienleben beeinflussenden Arbeiten der Landbewohner, wie die Ernteferien. In Norddeutschland hat man öftere, aber kürzere Ferien als in Süddeutschland, wo die Hauptferien zwischen zwei Schuljahre fallen. Um ihren Zweck vollständiger zu erreichen, sind neuerdings die sonst üblichen Ferienarbeiten verboten oder wenigstens beschränkt worden. Dem gleichen Zwecke dienen die sog. Ferienkolonien für arme kränkliche Schulkinder, deren Anregung von dem Pfarrer Bion in Zürich ausgegangen ist. Derselbe sandte zuerst im Juli w1876 34 Knaben und 30 Mädchen unter 5 Lehrern und einer Anzahl Lehrerinnen für 14 Tage nach den appenzeller Matten in der Umgegend von Trogen. Man ahmte ihm in Frankfurt a. M., Dresden, Leipzig, Stuttgart, Wien, Berlin und andern Städten nach. Eine amtliche Übersicht zählt 19 Orte allein aus Preußen auf, aus denen schon 1883 von Privaten solche Kolonien entsandt wurden. Seit neuester Zeit wird auch jüngern Gymnasiasten Gelegenheit geboten, während der Ferien in dem Hospiz des Klosters Loccum auf der ostfries. Insel Langeoog Aufnahme und zweckmäßige Beaufsichtigung zu finden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 515Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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