Schwäche und Schwächezustände. Die neuern Untersuchungen über den Ursprung der Muskelkraft haben erwiesen, daß diese ihre Quelle in der Verbrennung der stickstofflosen Nahrungsbestandteile (Fett und Zucker) hat, und daß die dabei gebildete Wärme in ähnlicher Weise innerhalb der Muskeln in mechan. Arbeit umgewandelt wird, wie die Wärme in der Dampfmaschine. Von der Dampfmaschine unterscheidet sich aber der Tierkörper wesentlich dadurch, daß dieser eine besondere Vorrichtung für die Zufuhr des zur Verbrennung nötigen Sauerstoffs besitzt, nämlich vor allem die aus einer Eiweißsubstanz bestehenden, in den Lungen immer wieder von neuem mit Sauerstoff gesättigten Blutkörperchen, während die Dampfmaschine dieser Vorrichtung nicht bedarf. Die Erzeugung der Kraft im Tierkörper hängt also ab von der Zufuhr stickstoffloser Nahrungsbestandteile, ferner aber von dem Vorrat an Blutkörperchen, welchen das Tier besittt, und endlich von dem Zustande der Muskulatur. Es erklärt sich hieraus, wie eine anhaltend schlechte Ernährung, Krankheit, Blutverlust, Hunger u. dgl. einen Dehn Schwächezustand herbeiführen können. Die Schwäche einzelner Körperteile gegenüber andern kann aber auch abhängen von dem mangelhaften Zustande der Muskeln derselben (Muskelschwund) oder der Nerven, welche die Muskeln zur Thätigkeit anregen, oder der Knochenteile. So kann eine schlecht geheilte Verrenkung einen Arm kraftlos machen, Hirnschlag, welcher eine Gehirnhälfte gelähmt hat, Lähmung einer ganzen Körperhälfte herbeiführen. Auch gibt es Ernährungszustände der Empfindungsnerven und der Muskelnerven, welche diese in ihrer Thätigkeit beeinträchtigen. Dahin gehört unter anderm die leichte Reizbarkeit, welche gewisse sog. nervenschwache Personen zeigen, das leichte Ohnmächtigwerden bei einer unangenehmen Vorstellung, auf Schreck u. dgl. (s. Nervenschwäche); ferner die Schwächezustände bei gewissen chronischen Vergiftungen (mit Tabak, Alkohol, Blei u. s. w.). Die Schwäche der mangen kann entweder angeboren und so in einer mangelhaften Ausbildung des Gehirns begründet, oder sie kann auch durch überanstrengung, Erschöpfung des ganzen Körpers oder vorzugsweise des Gehirns durch Ausschweifung erst erworben sein. (S. Blödsinn.) Eine allgemeine Kräftigung des Körpers kann man herbeiführen durch gute Kost, verbunden mit zweckmäßiger Übung, Abhärtung und möglichst ausgedehntem Aufenthalt in guter reiner Luft. Beruht die Schwäche einzelner Körperteile auf Ernährungsstörungen und Schwund der Muskulatur, so ist von öftern gymnastischen übungen, sowie von methodischer Anwendung der Massage (s. d.) und des galvanischen Stroms Besserung zu erwarten.