Schwanthaler (Ludw. Michael), ausgezeichneter deutscher Bildhauer, wurde 26. Aug. 1802 zu München geboren, verließ 1818 das Gymnasium und arbeitete nun in der Werkstätte seines Vaters, des Bildhauers Franz S., auch besuchte er nebenbei die Akademie. Nach dem Tode seines Vaters (1821) übernahm er dessen Geschäft. Im J. 1823 erhielt er einige bedeutendere Bestellungen, unter anderm den Auftrag vom König Maximilian, einen silbernen Tafelaufsatz mit Reliefs zu umrahmen. Nach kurzem Aufenthalt in Rom 1826 richtete er in München sein eigenes Atelier ein. Zunächst fertigte er für die Glyptothek zwei lange Relieffriese, Achilles im Skamander kämpfend und den Kampf bei den Schiffen, sodann die Statue Shakspeares für die Theaterhalle und den Bacchusfries für den Speisesaal im Palais des Herzogs Maximilian in München. Hierauf reiste er 1832 wieder nach Rom, um dort einige Modelle des ihm übertragenen südl. Walhallagiebels zu modellieren. Er blieb zwei Jahre daselbst und bereitete hier eine Menge Entwürfe für Bildhauer und Maler vor. In München begann er dann die Reliefs für die Siegeshymnen des Pindar. Ein Relieffries mit Darstellungen aus dem Mythus der Aphrodite, im obern Stokkwerk des Königsbaues, gehörte ebenfalls in diesen Kreis. Er wurde 1835 Professor der Akademie, doch später in seiner Wirksamkeit durch heftige Gichtleiden auf einige Jahre gehindert. Inzwischen vollendete er die 24 kleinen Malerstatuetten als Vorbilder für die Statuen auf die Attika der Pinakothek, zu deren Ausführung in Kalkstein die Aufträge unter den münchener Bildhauern verteilt wurden. Wie diese Statuen, so wurden nach seinen Skizzen auch die Victorien und die Reliefs in der offenen Halle über dem Balkon des Saalbaues von Schülern der Akademie ausgeführt. An diese Arbeiten reihte sich der für den Barbarossasaal bestimmte, über 60 m lange Fries. Zu seinen größern, seitdem vollendeten Werken gehören die Modelle zu den 12Ahnenbildern des Hauses Wittelsbach, von Stiglmayer ausgeführt; die 15 kolossalen Statuen für das vordere Giebelfeld der Walhalla, wozu früher Rauch eine Skizze entworfen; die Modelle der 15 Statuen der Hermannsschlacht für den nördl. Giebel der Walhalla; die Giebelgruppe des Kunstausstellungsgebäudes und das Modell der Kolossalstatue der Bavaria (s. d.). Der letzten Zeit gehören folgende zum Teil sehr bedeutende Werke aus dem Gebiete der monumentalen Plastik an: die Gipsmodelle zu dem Denkmal des Donau-Main-Kanals, die Marmorstatue Kaiser Rudolfs für den Dom zu Speier, das Modell zur Statue Jean Pauls und des kurbayr. Staatskanzlers von Kreitmayer und der Schild des Hercules nach Hesiods Dichtung, dessen Ausführung seine Schüler Balbach und Puille vorbereiteten, während der Erfinder selbst die letzte Hand anlegte. Auch sind die Zeichnungen zu großen Wandgemälden aus der Odyssee im neuen Saalbau zu erwähnen. Auf auswärtige Bestellungen entstanden ferner: die acht Götterstatuen in Sandstein und zwei Tänzerinnen in Marmor, im neuen Schloß zu Wiesbaden; das Denkmal für Frauenlob im Dome zu Mainz; die Modelle zu den kolossalen Bronzemonumenten für die Großherzöge Ludwig von Hessen und Karl Friedrich von Baden; die Statue Mozarts für Salzburg; eine anmutige Marmorgruppe Ceres und Proserpina für Berlin; der Brunnen auf der Freiung in Wien und das Kolossalmodell zum Denkmal Goethes für Frankfurt a. M. Außerdem besitzt man von S. eine Menge von Zeichnungen und Kartons. Er selbst hatte von dergleichen, sowie von Modellen aller Art eine reiche Sammlung an-Kldett die er bei seinem 15. Nov. 1848 erfolgten ode dem Staate vermachte (Schwanthaler-Museum). Unterstützt wurde S. vielfach von seinem Vetter Franz Xa ver S. (geb. 1798, gest. 23. Sept. 1854 als Professor an der Polytechnischen Schule zu München). Vgl. Trautmann, „S.s Reliquieno (Münch. 1858).