FeedSchwefelkohlenstoff
NaturlehreBrockhaus 1882

Schwefelkohlenstoff oder Schwefelalkohol (Carboneum sulfuratum, Alcohol sulfuris, CS.), eine farblose, das Licht stark brechende, sehr bewegliche, eigentümlich riechende Flüssigkeit von 1,272 spezifischem Gewicht, welche sich kaum in Wasser, leicht in Alkohol, Ather und Olen löst, bei 46* C. siedet und angezündet mit blauer Flamme zu Kohlensäure und schwefliger Säure verbrennt. Der S. wurde 1796 von Lampadius in Freiberg entdeckt, aber erst 1838 von Anton Schrötter in Wien in größerer Menge dargestellt, bis es Mitte der fünfziger Jahre gelang, ihn in die Reihen der Produkte der chem. Großindustrie einzuführen. Man stellt ihn dar, indem man Schwefeldampf durch in eisernen Gefäßen enthaltene glühende Kohlen leitet und den so gewonnenen rohen S. von beigemengtem Schwefel und andern Verunreinigungen durch Destillation reinigt. Im unreinen Zustande hat der S. einen höchst widerwärtigen Geruch, gereinigt ist sein Geruch dem des Chloroform ähnlich. Man verwendet den S. in kleiner Menge in der Heilkunde, in großer dagegen in der Technik, wo er zur Extraktion der Fette und Ole aus Olsamen (chem. Olgewinnung), Oliven, Mandeln, öl⸗ und fetthaltiger Wolle, den Slen der Knochen u. s. w. dient; da der S. von der Lösung des Ols und Fettes mit Leichtigkeit abdestilliert und wieder gewonnen werden kann, so ist diese Anwendung eine wirtschaftlich wichtige geworden, sie ist aber neuerdings durch die des Benzins und Petroleumäthers mehr und mehr verdrängt. Man verwendet den S. ferner zur Bereitung des Phönizischen Feuers liquid fenian kire), einer Lösung von Phosphor in S., womit Brandgeschosse gefüllt werden. Mit Stickoxydgas verbrannt, gibt der S. ein überaus intensives weißes Licht, das in einer besondern, von E. Sell in Berlin konstruierten Lampe gefahrlos erzeugt und für photographische Zwecke angewendet wird. Die beim Verbrennen des S. in der Schwefellampe gebildete schweflige Säure wird zum Schwefeln des Weins verwendet. Die Verbindungen des S. mit den Alkalimetallen (die Sulfocarbonate) sind mit Erfolg gegen die Reblaus (Phylloxera) autgden. det worden, ebenso auch die Salze der Xanthogensäure (die RKanthogenate), deren Kaliverbindung man erhält, indem man S. zu einer Lösung von Kali in Alkohol setzt; letztere Verbindung ist auch von Ph. Zöller in Wien mit Erfolg zum Konservieren von Slasch Most u. dgl. in Vorschlag gebracht worden. Vgl. O. Braun, «Die Schwefelkohlenstoffindustries, in A. W. Hofmanns Berichten über die chem. Produkte auf der wiener Weltausstellung von 1873 (Braunschw. 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 578Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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