FeedSchweflige
NaturlehreBrockhaus 1882

Schweflige Säure oder Schwefeldioxyd 802 ist ein farbloses, stechend riechendes, säuerlich schmeckendes, durch Druck und Kälte leicht verdichtbares, in Wasser lösliches Gas, das auf Pflanzenfarben bleichend einwirkt und durch Verbrennen des Schwefels, durch Rösten von ah Kochen po (Pyrit), Kupferkies und Zinkblende, durch Kochen von Schwefelsäure mit Kohle, Schwefel oder Kupfer dargestellt wird. Man wendet sie entweder als Gas in Wasser aufgelöst oder in Form schwefligsaurer Salze (Sulfite), mit Kali oder Natron verbunden, an und benutzt sie vorzugsweise zum Bleichen tierischer Substanzen, wie der Seide, Wolle, der Schwämme, der Federn u. s. w., welche Körper durch das gewöhnliche Bleichmittel, durch Chlor, nicht entfärbt, sondern gelb gefärbt werden. Sie dient ferner zum Bleichen der Stroh-⸗ und Korbgeflechte, zum Entfernen von Obst- und Weinflecken aus Wäsche, so- wie behufs der Konservierung zum Schwefeln des Hopfens, der eingemachten Früchte, des Weins, des Biers, bei der Saturation der Zuckersäfte u. s. w. Auch als Desinfektionsmittel wird die schweflige Säure mit großem Erfolge angewendet. Die schweflige Säure hat große Neigung, Sauerstoff aufzunehmen und in Schwefelsäure (s. d.) überzugehen, und ist daher das hauptsächlichste Material bei der Fabrikation der engl. Schwefelsäure. Die schweflige Säure findet auch Verwendung als Feuerlöschmittel, um brennende Schornsteine zu löschen, indem man auf dem Herde Schwefel ver⸗⸗ fite de soude) benutzt man in der Papierfabrikation unter dem Namen Antichlor zur Entfernung des überschüssigen Chlorgases, zum Waschen und Bleichen der Wolle und als Konservationsmittel. Eine Lösung von zweifachschwefligsaurem Kalk dient als, Desinfektionsmittel und namentlich zur Darstellung. von Cellulose für die Papierfabrikation (Mitscherlichs Verfahren). Bäder von schwefligsaurem Gase werden zuweilen bei Hautkrankheiten verordnet. Die schwefligsauren Salze entsprechen einem Säurehydrat 80(0T)), welches in freier Form nicht abscheidbar ist, da es sofort in Anhydrid 80, und Wasser zerfällt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 581Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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