FeedSchwerin (Maximilian, Graf von)
GeschichteBrockhaus 1882

Schwerin (Maximilian, Graf von), preuß. Staatsmann, geb. 30. Dez. 1804 zu Boldekow in Pommern, studierte die Rechte zu Berlin und Heidelberg, trat dann in den Staatsdienst, verließ denselben jedoch bald, um einige seiner väterlichen Güter zu verwalten. Hier wurde er Landrat des Kreises Anklam und 1842 Direktor des vorpommerschen Landschaftsdepartements. Im J. 1846 war er Mitglied der Generalsynode, ebenso 1847 des Vereinigten Landtags. Am 19. März 1848 in das Ministerium Arnim berufen, übernahm er das Portefeuille des Kultus. Als aber infolge des Wachsmuth-Waldeckschen Antrags, denVerfassungsentwurf betreffend, im Ministerium Meinungsverschiedenheit entstand, trat auch S. 13. Juni zurück. Von dem Kreise Schlawe in Hinterpommern zum Abgeordneten in die Deutsche Nationalversammlung gewählt, zählte S. zu der kleinen Partei, welche die Feststellung einer deutschen Verfassung nur auf dem Wege der Vereinbarung mit den deutschen Fürsten für möglich erachtete. Er trat daher im Mai 1849 aus der Versammlung, als diese sich für kompetent erklärte, das Verfassungswerk auf eigene Hand zu Ende zu führen. Seit der Begründung der preuß. Verfassung war S. ununterbrochen Mitglied der Zweiten Kammer und in den beiden Sitzungsperioden 1849 —55 Präsident derselben. Der Umschwung in den Wahlen von 1858 gab ihm zunächst die Präsidentenwürde zurück, die er behielt, bis er an Flottwells Stelle 3. Juli 1859 als Minister des Innern in das liberale Ministerium eintrat. Bei Beginn des über die Militär⸗ und Budgetfrage hereinbrechenden Konflikts, den er in verfassungsmäßigem Sinne gelöst haben wollte, reichte er mit den andern liberalen Mitgliedern des Ministeriums Auerswald 18. März 1862 seine Entlassung ein. In der Folge kämpfte S. für die konstitutionellen Rechte in den Reihen der altliberalen Partei, zu deren Häuptern er gehörte. Nach den Ereignissen von 1866 war er einer der ersten Liberalen, die für die von der Regierung nachgesuchte Indemnität und für eine kräftige Unterstützung der auswärtigen Politik des Ministeriums Bismarck ihre Stimme erhoben. In den beiden Norddeutschen Reichstagen, wo er den pommerschen Wahlkreis Demmin-Anklam vertrat, gehörte er der nationalliberalen Partei an. S. war seit 1834 mit Hildegard Schleiermacher, der jüngsten Tochter des berühmten Theologen, vermählt. Er starb zu Potsdam 3. Mai 1872.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 607Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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