FeedSchwiebus
ErdkundeBrockhaus 1882

Schwiebus, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Frankfurt, zum Kreise Züllichau-S. gehörig, liegt 20 km nördlich der Kreisstadt Züllichau in einer von der Schwemme durchflossenen Thalsenkung in fruchtbarer Gegend, an der Linie Frankfurt-Posen der Preußischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Amtsgerichts und einer Reichsbanknebenstelle, hat ein Schloß, eine kath. und eine prot. Kirche und zählt (1885) 8353 E. Der Ort ist ein Hauptplatz für Tuchindustrie, die sich auch auf die Umgebungen usdehnt, hat Weinbau, große Dampfziegeleien und in der Umgegend viele ergiebige Braunkohlenbergwerke. Das ehemalige Land Schwiebus gehörte seit 1335 zum Fürstentum Glogau. Als 16. Nov. 1675 die piastischen Fürsten von Liegnitz,‚ Brieg und Wohlau mit dem Herzog Georg Wilhelm ausstarben, sollten kraft einer 1537 mit Kurbrandenburg abgeschlossenen Erbverbrüderung jene Fürstentümer an den Großen Kurfürsten übergehen, wurden jedoch von Kaiser Leopold I. als der böhm. Krone anheimgefallene Lehen eingezogen. Endlich kam der Vergleich vom 7. Mai 1686 zu Stande, in welchem dem Kurfürsten das Land S. gegen Entsagung seiner Ansprüche auf die drei Fürstentümer abgetreten wurde. Durch einen neuen Vergleicl vom 20. Dez. 1694 gab Kurfürst Friedrich III. das Land wieder zurück, wogegen er vom Kaiser 250000 Fl. und die Anerkennung der herzogl. Sonveränetät in Preußen erhielt. Durch den Frieden von 1742 erlangte endlich Friedrich d. Gr. mit fast ganz Schlesien auch das Land S. wieder, welches seitdem als Schwiebuser Kreis zum Glogauschen Kammerdepartement gehörte. Das Gebiet S. wurde jedoch 1817 zum brandenb. Regierungsbezirk Frankfurt geschlagen und mit dem Lande Züllichau (s. d.) zu einem Kreise vereinigt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 611Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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