Schwimmen beruht auf dem Archimedischen Prinzip, daß jeder in eine Flüssigkeit getauchte Körper von seinem Gewicht so viel verliert, als er Flüssigkeit verdrängt. Es ist dies eine Folge des von der Flüfsigkeit geübten Drucks nach allen Seiten, also auch nach aufwärts. Vermöge dieses r Auftriebes sinkt ein Körper, der dichter als die f Flüssigkeit, in welcher er sich befindet, ist, unter; i er schwimmt oder schwebt in derselben bei Gleichqgewicht der Dichte beider. Ein Körper, dessen spezisisches Gewicht oder dessen Dichte geringer ist als l das spezifische Gewicht einer Flüssigkeit, wird, sobald man ihn auf diese legt, von der Flüssigkeit getragen; er schwimmt auf der Flüssigkeit. Man unterscheidet das ebenerwähnte passive S., das bloße Getragenwerden von der Flüssigkeit, von dem l aktiven S., der Fortbewegung in einer Flüssigkeit nach beliebiger Richtung, wozu natürlich nur lebende Wesen befähigt sind. Da kein Körper ge-e wichtlos ist, so wird beim S. desselben stets eine gewisse Eintauchung, d. h. Verdrängung der Flüsügkeit stattfinden, und zwar wird der Körper stets“ so tief eintauchen, daß die von ihm verdrängte Abdeen genau so viel wiegt wie er selbst. Ein Kubikdecimeter Holz, der nicht mehr wiegt als ein halber Kubikdecimeter Wasser, wird also auch nur einen halben Kubikdecimeter ins Wasser sinken und zur Hälste über dasselbe hervorragen. Man kann einen spezifisch schwerern Körper als die Flüssigkeit dadurch zum S. bringen, daß man ihn mit einem leichtern in Verbindung en sodaß beide Körper zusammen weniger wiegen als das Wasser, welches von ihnen bei völligem Untertauchen verdrängt würde. So schwimmt eine verschlossene Blechbüchse auf dem Wasser, weil das Blech, obgleich spezifisch schwerer als Wasser, mit der darin enthaltenen Luft gleichsam einen Körper bildet, der spezifisch leichter ist als Wasser. Auch die Anwendung der sog. Schwimmblasen, Schwimmgürtel etc., die, mit Luft efüllt, an einem schweren Körper befestigt werden, beruht darauf. Ebenso bilden Schiffe mit der in ihrem Raume befindlichen Luft zusammen einen spezifisch leichtern Körper, als das Wasser ist, und ichwimmen, selbst wenn sie von Eisen sind. Beim aktiven S. kommt das spezifische Gewicht gleichfalls wesentlich in Betracht, weil das S. dadurch erleichtert oder erschwert oder gar unmöglich gemacht wird. Die Fische, deren Bestimmung es ist, nicht auf, sondern in dem Wasser zu schwimmen, gehören wohl mit zu den spezifisch schwersten Tieren. Die Scholle, die keine Luftblasen hat, ist, wie die Muschel, an den Boden gebannt. Die meisten Fische haben jedoch zwei Luftblasen, durch deren Zusammendrückung sie spezifisch schwerer und durch deren Ausdehnung sie spezifisch leichter werden. Am spezifisch leichtesten sind wohl die Schwimmpögel: sie machen nur einen geringen Eindruck ins Wasser und können, so geschickt sie sich auf demselben bewegen, doch nicht ohne Anstrengung untertauchen. Die Landtiere sind im gewöhnlichen Zustande durchgängig leichter als das Wasser und können fast alle auf demselben schwimmen. Was den Menschen betrifft, so ist sein spezifisches Gewicht, wie bei allen atmenden Tieren, ein verschiedenes, je nachdem die Lunge leergehaucht oder mit Luft oder Wasser gefüllt erscheint, welches letztere beim Ertrinken stets der Fall ist. Die Lunge voll Luft geatmet, ist der Mensch spezifisch etwas leichter als Wasser. Es kostet dem geübtesten Schwimmer Anstrengung mit luftgefüllter Lunge sich auf einige Tiefe hinunterzuarbeiten, weshalb er auch gewöhnlich beim Tauchen einen Sprung ins Wasser zu Hilfe nimmt. Einmal in der Tiefe, wird es ihm aber ein Leichtes, so lange die Atemnot ihn nicht drängt, unten zu weilen. Das über ihm befindliche Wasser drückt nämlich seinen Leib ein, verdichtet dadurch die Luft in seinem Innern und macht ihn in demselben Grade spezifisch schwerer, als sein Umfang abnimmt. Arbeitet man sich aber nicht absichtlich hinab, so bleibt bei luftgefüllter Lunge ein kleiner Teil des Körpers über Wasser, selbst ohne alle mechan. Beihilfe. Mit ausgehäuchter Lunge ist der Mensch nur ein weniges schwerer als das Wasser. Man sollte es hiernach nur für schwer möglich halten, daß ein Mensch ertrinken könnte, und in der That würde sich auch der des S. Unkundige vor dem Sinken bewahren, wenn er die Geistesgegenwart hätte, mit der Luft in seinen Lungen zu ökonomisieren und keine seinem Halten über dem Wasser entgegenwirkende Bewegungen zu machen. Bei der Fortbewegung im Wasser übt der Schwimmer mittels der Hände und Füße einen Stoß oder Druck in der Weise auf das Wasser aus, daß er durch denselben gleichzeitig gehoben und je nach seinem Belieben vorwärts oder rückwärts bewegt wird. Die Ranenn der Hände oder Füße müssen dergestalt gehalten werden, daß sie beim Stoß oder Druck der Flüssigkeit eine möglichst große, dagegen beim Anziehen (um sie nachher zu einem neuen Stoß oder Druck anzuwenden) eine möglichst kleine Fläche entgegensetzen. Rücksichtlich der Methoden beim Schwimmunterricht hat sich die des preuß. Generals von Pfuel als vorzüglich bewährt. Schwimmschulen, auch für das weibliche Geschlecht, befinden sich jetzt in allen größern Städten. Vgl. Pettigrew, «Die Ortsbewegung der Tierev (Lpz. 1875); Müllenhoff, «Die Ortsbewegung der Tierey (Berl. 1885); Thümen, «Instruktian für den Schwimmunterricht nach der Pfuelschen Methode v (Berl. 1862); Kluge, Lehrbuch der Schwimmkunsto (Berl. 1870); Auerbach, „Das S. leicht und schnell zu erlernen (2. Aufl., Berl. 1873); d Argy, „Instruktion für den Schwimmunterricht in der franz. Armeer (deutsch, 4. Aufl., Berl. 1877); Schwägerl, «Katechismus der Schwimmkunstv (Lpz. 1880).