Scott (Sir Walter), berühmter schott. Dichter, geb. 15. Aug. 1771 zu Edinburgh als Sohn eines Sachwalters. Seine schwache Gesundheit, hauptsächlich durch Lähmung des rechten Fußes veranlaßt, bewirkte, daß er früh zu seinem Großvater nach Sandy-Knowe, in der Nähe von Kelso, aufs Land gebracht wurde. Später kam er nach Kelso selbst, wo er sich mit Percys Reliques v und den zahlreichen alten Sagen der Grenzlande vertraut machte. Er besuchte darauf die High-School zu Edinburgh. Dann studierte er die Rechte auf der Universität zu Edinburgh und wurde im 21. Jahre Advokat. Seine Gesundheit hatte sich gekräftigt; er war bei der Errichtung freiwilliger Kavallerieregimenter, als man eine Landung der Franzosen in Schottland befürchtete, einer der Eifrigsten. Um diese Zeit versuchte er sich zuerst als Dichter, anfangs in übersetzungen aus dem Deutschen: Bürgers 4„Lenorev und «Wilder Jägero wurden 1796 übersetzt; 1799 erschien seine übersetzung des „(Götz von Berlichingen ». Dazwischen hatte er sich 1797 mit Miß Carpenter verheiratet und eine Cottage in Laßwade zu seiner Wohnung gewählt. Im J. 1799 wurde er zum Sheriff von Selkirkshire mit einem Einkommen von 300 Pfd. St. ernannt. Im J. 1802 erschien seine Sammlung der volkstümlichen schott. Balladen des Grenzlandes: „Minstrelsy of the Scottish border o (3 Bde.), mit trefflichen geschichtlichen Erläuterungen, die großen Beifall fand. Im J. 1804 gab er den altengl. Roman «Sir Tristremo gleichfalls mit Anmerkungen heraus; 1805 trat er mit seinem ersten größern Gedicht The lay of the last minstrelo hervor, das den glänzendsten Erfolg hatte. Dies bewog ihn, die Praxis völlig aufzugeben, was er um so eher thun konnte, als er 1806 eine der ersten Clerkstellen am edinburgher Gerichtshofe mit einem Einkommen von 1300 Pfd. St. erhielt. Im J. 1808 erschien Marmion, a tale of Floddenfieldo, die großartigste seiner ritterlichen Erzählungen in Versen, und in demselben Jahre seine Ausgabe des Dryden in 18 Bänden. Im folgenden Jahre gab er Ralph Sadlers Staatsschriften (3 Bde.) heraus; auch arbeitete er fleißig mit an der auf seinen Antrieb begründeten Juarterly Reviewy als Organ der Tories, welche der zur Whigpartei gehörigen „IEdinburgh Reviewo entgegentrat. Im J. 1810 erschien The lady of the lake, das herrliche Schilderungen der Hochlandsnatur enthält und des Dichters Ruhm auf den Gipfelpunkt brachte. Da seine folgenden Gedichte The vision of Don Roderick v (1811), Rokeby (1813), The Lord of the isleso (1814), The field of Waterlooh (1815), The bridal of Triermaino und «Harold the dauntless o (1817) immer weniger Beifall fanden, so wandte er sich der Prosadichtung zu. Außer diesen Dichtungen hatte er übrigens in dieser Zeit noch die Werke von Swift mit einer trefflichen Lebensbeschreibung herausgegeben (19 Bde., 1814), den Text zu den 4Border antiquities 5 (2 Bde., 1814) geliefert und, durch einen Ausflug nach dem Kontinent veranlaßt, «Paul's letters to his kinsfolko (1815) geschrieben. Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XIV. Der große Ertrag seiner Dichtungen setzte S. 1811 in den Stand, am Ufer des Tweed nahe bei Melrose das Gütchen Cartley⸗-Hole zu kaufen, dem er den Namen Abbotsford gab. Er vergrößerte es in der Folgezeit durch wiederholte Ankäufe und verschönerte es durch neue Gebäude und Anlagen. Bereits 1805 hatte er den Roman Waverley v begonnen, aber liegen lassen; er nahm ihn jetzt wieder auf, vollendete ihn und gab ihn 1814 ohne seinen Namen heraus. Im J. 1815 erschien von dem Verfasser des „Waverleyr: Guy Manneringo, mit noch allgemeinerm Beifall aufgenommen; 1816 «The antiquaryo; 1817 als erste Reihe der (Tales of my landlord o: The black dwarfo und „Old mortalityr (deutsch: Die Schwärmero); 1817 „Rob Royy und 1818 in der zweiten Reihe der Tales of my landlord o: «„The heart of Mid-Lothiano; 1819 die dritte Reihe der Tales v; „The bride of Lammermooro und «Legends of und «The abboto; 1821 4Kenilwortho und «The piraten; 1822 «The fortunes of Nigelo; 1823 „St. Ronan's wello; 1824 KRedgauntleto; 1825 „Tales of the crusaderso, enthaltend The betrothedo und «The talismano; 1826 «Woodstock v; 1827 und 1828 «Chronicles of the Canongate v; 1829 KAnne of Geierstein o; endlich 1831 die vierte Reihe der „Tales of my landlordo, enthaltend «Count Robert of Pariso und «Castle dangerous o. In den meisten dieser Romane erläutert S. die Geschichte seines Vaterlandes. spielen in England. Die in andere Gegenden versetzten stehen diesen mit Ausnahme von Quentin Durwardv bedeutend nach. Seine Romane haben die Vorzüge der trefflichen Charakterschilderung und der bis in die kleinsten Details bestimmten und wahren Zeichnung, der klaren und lebendigen Anschauung und Darstellung vergangener Zeiten, der anmutigsten Schilderungen landschaftlicher Schönheiten und der reichen Quelle von Humor, die sich mit dem größten sittlichen Ernste und zahlreichen Stellen voll der tiefsten Rührung paart. Außerdem hatte sich der 1820 zum Baronet ernannte Dichter auch im Schauspiel versucht, aber mit geringem Erfolge. Treffliche biographische und litterarische Einleitungen hatte er der neuen Ausgabe der ältern engl. Romanschreiber vorangeschickt, welche 1825 in drei Bänden gesammelt erschienen. Im J. 1826 fallierten die Häuser Ballantyne und Constable, deren Geschäftsteilhaber S. war, und hierdurch sah er sich mit einem mal mit einer Schuldenlast von 117000 Pfd. St. belastet. Diese Verhältnisse zwangen ihn, um des materiellen Gewinns willen schneller und deshalb auch flüchtiger zu arbeiten. Sein (Leben Napoleons„ (9 Bde., 1827) war eine flüchtige und unkritische Arbeit und that dem Ruhme des Dichters bedeutenden Eintrag, obgleich es auch reich an einzelnen schönen Stellen ist. Im J. 1829 besorgte er eine neue Ausgabe seiner dichterischen Werke, mit neuen Einleitungen vermehrt. Auch schrieb er in diesen Jahren für seine Enkel die in drei Reihen erschienenen KTales of a grandfather o (182830), für Lardners «Cyclopaediao die History of Scotlando (2 Bde., 1830) und für Murrays «EFamily Librarys die „Letters on demonologyv. Durch diese und seine obengenannten spätern Romane erwarb er so viel Geld, —— bereits 1830 die Schuldenlast auf 40000 „St. zusammengeschmolzen war, und wenige Jahre der Gesundheit würden hingereicht aben, um sie völlig zu tilgen; diese waren ihm indessen nicht vergönnt. Im Winter 1830 zeigten sich Spuren einer mehr und mehr zunehmenden Lähmung. Im Herbste 1831 reiste er nach Italien, verweilte bis April 1832 in Neapel, ging dann nach Rom und kehrte, da sich sein Zustand nur verschlimmerte, nach England zurück. Fast bewußtlos infolge eines zweiten Schlagflusses wurde er nach Abbotsford gebracht, wo er 21. Sept. 1832 starb. In Dryburgh-Abbey wurde er begraben. Das dankbare Schottland eröffnete nicht nur eine Sammlung, um seiner Familie Abbotsford zu erhalten, sondern errichtete ihm auch in Edinburgh ein prachtvolles Denkmal. Selten aber hat auch ein Dichter schon bei seinen Lebzeiten solchen Ruhm und solche Verbreitung gefunden wie S. Seine Werke wurden nicht nur in alle gebildeten Sprachen übersetzt, sondern auch ichrand nachgedruckt. Seine Romane waren in Deutschland so beliebt, daß man Romane in seiner Manier schrieb und für seine Arbeiten ausgab; den gelungensten Versuch der Art machte Wilibald Alexis mit Walladmor». Die besten Ausgaben seiner Romane sind die edinburgher. Sein Leben wurde am ausführlichsten beschrieben von seinem Schwiegersohne Lockhart (7 Bde., 1838 u. öfter); deutsche Biographien verfaßten Eberty (2 Bde., Lpz. 1860) und Elze (2 Bde., Dresd. 1864). Sein ältester Sohn, Sir Walter S., geb. 28. Okt. 1801, Oberstlieutenant in der brit. Armee, starb 8. Febr. 1847 auf der Rückreise von Indien nach England. Mit ihm erlosch der Baronetstitel, da er keine Kinder hinterließ und sein jüngerer Bruder Charles schon vor ihm gestorben war.