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ErdkundeBrockhaus 1882

Sechellen, Seychelles oder Mahé-Inseln heißt eine Gruppe von 29 Eilanden, die im westl. Teile des Indischen Oceans (zwischen 3· 33 und 5 35 südl. Br., 52 und 54 östl. L. von Greenwich) nordöstlich von Madagaskar liegen und unter den Gouverneur der brit. Insel Mauritius gestellt sind. Ihr Areal beträgt nur 264 akm. Die sämtlichen Inseln bilden die Gipfel einer 340 Km langen und halb so breiten unterseeischen Korallenbank. Mit Ausnahme von zweien sind sie hoch, bergig, pittoresk und gut bewässert. Das Klima ist ungeachtet der äquatorialen Lage mild. Auch reichen Cyklone oder Drehstürme, welche die südlichern Inseln des Indischen Oceans schwer heimsuchen, nicht bis zu den S. Die Temperatur zeigt sich sehr gleichmäßig und hält sich zwischen 26 ½ und 27² C. Vom Mai bis Oktober weht der Südost-Monsun, vom November bis April der Südwest-Monsun, welcher Regen, Hitze und Gewitter bringt. Die größte Insel ist Mahe (171 qkm). Dieselbe steigt bis zu 280 m auf und besitzt an der Ostseite einen guten Hafen, Port Victoria, an welchem die gleichnamige Hauptstadt liegt. Nur vier Inseln sind bewohnt. Die Zahl der Einwohner, hauptsächlich aus Negern und nur wenigen Engländern und Franzosen bestehend, beträgt (1871) 11082. Erzeugnisse der Inseln sind vortreffliche Nutz⸗ und Farbehölzer, Baumwolle, Kurn. Ger Tabak, Reis, Mais, Maniok, Kaffee, akao, Gewürznelken, Bananen, Geflügel, Austern und vorzügliche grüne Schildkröten. Außerdem sind noch zu erwähnen die eigentümlichen Früchte einer 20—50 mehohen Palmenart, der Lodoicea Sechellarum (Coco do mar), welche indessen nur auf den Inseln Praslin, Curieuse und Ronde wächst. Diesen eigentümlich gestalteten, unter dem Namen Salomonsnüsse in den Handel gebrachten Früchten, deren Vaterland lange Zeit unbekannt war, da man sie hauptsächlich auf dem Meere umhertreiben sah, schrieb man große, geheime Heilkräfte zu und bezahlte sie deshalb in frühern Jahrhunderten sehr teuer. Kaiser Rudolf II. bot vergebens 4000 Fl. für eine derselben. Die S. waren schon den Arabern bekannt, wurden aber erst 1506 von dem Portugiesen Suarez entdeckt, der sie die «Sieben Brüdero nannte. Der franz. Kapitän Picault ab ihnen 1742 den Namen Labourdonnaye-Inseln, nach dem Gouverneur der franz. Besitzungen in Indien. Damals erhielten sie auch die ersten franz. Ansiedler, später, nach dem Marineminister Herault de Sechelles, ihren gegenwärtigen Namen. Sie wurden 1794 von einem engl. Geschwader in Besitz genommen, aber erst 1814 förmlich an England abgetreten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 632Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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