Seldschuken, türkisches, von Seldschuk, Sohn des Dekak, abstammendes Geschlecht aus der Bucharei, das im 11. und 12. Jahrh. mehrere Dynastien in Mesopotamien, Persien, Syrien und Kleinasien stiftete. Man unterscheidet folgende Dynastien: 1) Die iranische oder bagdadische Dynastie, welche zu Bagdad und Ispahan herrschte. Sie war die mächtigste, und aus ihr gingen die berühmtesten seldschukischen Fürsten hervor. Ihr Stifter war der kriegerische Fürst Togril-Beg, der Enkel des Seldschuk, welcher zuerst im Dienste des Fürsten der Kirgisen stand, dann mit seinen Anhängern nach Buchara auswanderte, sich zum Islam bekehrte und mehrere Stämme seines Volks dem Islam zuführte und so enger mit sich verband. Togril-Beg eroberte Chorasän und das nördl. Persien, kämpfte mit Erfolg gegen die Byzantiner in Armenien, fiel in Irak ein, besetzte Bagdad, machte der Herrschaft der Bujiden ein Ende, erhielt vom Kalifen den Titel König des Ostens und des Westens », verlobte sich mit der Tochter des Kalifen, starb aber (1063) vor der Vermählung in einem Alter von 70 J. Von seinen Nachfolgern sind Alp-Arslan, 1063.—73, der den griech. Kaiser Romanus bekriegte und gefangen nahm; Melik-Schäh, 1073—92, der den um die wissenschaftlichen Studien hochverdienten Minister Nisäm-el-Mulk in seinem Dienste hatte; Barkijärok, 1092—1104, der fortwährend gegen Brüder und andere Verwandte zu kämpfen hatte; Mohammed-Schah, 1105—18, dessen Feldherr Maudüd gegen die Kreuzfahrer glückliche Kriege führte, und Sindschär zu erwähnen, der 1118—57 regierte und einer der bedeutendsten mohammed. Fürsten war. Die Dynastie endete mit Togril-Schäh 1194, den chärismische Sultan Tekesch überwältigte. 2) Die kermanische Dynastie, welche in der pers. Provinz Kermän herrschte und von geringerm Einflusse war. Sie wurde gestiftet durch Togril— Begs Neffen Käwerd, welchem Togril-Beg 1039 die Verwaltung der genannten Provinz übergab, und bestand bis 1091. 3) Die syrische Dynastie, die mit der Unterwerfung von Haleb 1071 und von Damascus (1075) durch Tutusch, einen Bruder Melik-Schahs, begann. Nach Tutuschs Tode (1095) fiel * in die Gewalt seiner Söhne Dekak und Ridhwän, deren Nachkommen sich bis gegen die Mitte des 12. Jahrh. in einzelnen syr. Städten behaupteten. 4) Die ikonische oder kleinasiatische Dynastie, welche zu Ikonium oder Konieh in Kleinasien ihren Sitz aufschlug. Sie wurde gegründet durch Soliman-ben-Kutulmisch, einen Urenkel Seldschuks, welchem der Sultan Melik-Schäh 1075 ein Gebiet in Kleinasien einräumte, und erhielt sich am längsten. Unter Keikobäd, einem der letzten Fürsten dieser Dynastie, zeichnete sich der Türke Ertogrul, der Vater Osmäns, als Heerführer aus, und letzterer gründete die Osmanische Dynastie in Kleinasien, in dem Gebiete, das bisher die S. beherrscht hatten. Vgl. Mirchond, «Geschichte der S. »(aus dem Persischen von Vullers, Gieß. 1838).