Seligkeit bezeichnet im allgemeinen den Zustand höchster Lebensförderung und innerer Befriedigung, welcher durch die harmonische Vollendung des geistigen Lebens gewonnen wird, im Unterschiede von der Glückseligkeit, welche auch das äußere Wohl umfaßt. Der kirchliche Sprachgebrauch bezieht das Wort auf das Wohlergehen der Frommen, läßt also die S. durch das rechte religiöse Verhältnis zu Gott, also vor allem durch seinen Frieden oder seine Versöhnung mit Gott bedingt sein. Der ältere Hebraismus setzte die S. in den ungetrübten Besitz einer Fülle äußerer Güter, welche dem Frommen im gegenwärtigen Leben als Lohn für seinen gottesfürchtigen Wandel zuteil werden sollten. Erst das nachexilische Judentum bildete im Zusammenhange smit der Auferstehungslehre die Vorstellung einer S. nach dem Tode aus, ohne im übrigen die Anschauung höchsten irdischen Glücks zu verlassen. In diesem Sinne verstand auch das älteste Christentum die S. des Messiasreichs, welches wohl vom Himmel her offenbar werden, aber seinen Sitz auf der Erde haben sollte. Es war indessen nur eine Konsequenz dieser Anschauung, wenn die christl. Theologie das zeitliche Jenseits immer entschiedener auch als ein räumliches bestimmte und den Seligen als Aufenthaltsort nach dem Tode den «Himmel v anwies. Hinter dieser Vorstellungsform verhüllte sich in der christl. Kirche von Anfang an ein geistiger Gehalt, die innere S., deren die Frommen schon gegenwärtig in ihrer Gemeinschaft mit Gott und dem Erlöser genießen, und schon das Johannes-Cvangelium läßt in diesem Sinne edas ewige Lebenv auf Erden beginnen.