Semmering, richtiger Semering, ein Bergsattel in derjenigen Kette der östl. Voralpen, die zwischen den Quellbächen der Mur und der Leitha von der Schneealm zur Rax und weiter an der Grenze von Niederösterreich und Steiermark über den Trasikogel, Dürkogel, Umschuß und Wechsel gegen das ungar. Flachland hinzieht. Die übergangspunkte dieses schon im hohen Altertum zur Kommunikation benutzten Bergjochs sind Gloggnitz in Niederösterreich (439 m) und Mürzzuschlag in Steiermark (681m über dem Meere). Die Höhe des Sattels selbst beträgt 900 m, die Höhe des Tunnels der Südbahn, die ihn übersteigt, 898 m. Der Name ist slawisch und kommt von dem altslaw. Wortstamme smrlc, der im allgemeinen Nadelholz bezeichnet. Die steirische Seite des Bergjochs kommt zu derselben Zeit, wo dieses Semernik in Urkunden heißt, unter dem deutschen Namen Cerewalt vor, was wieder Nadelwald heißt. Am Cerewald ließ Markgraf Otakar von Steier zwischen 1156 —60 eine Herberge für Pilger errichten, aus welcher dann das Dorf Spital an der Südseite des S. entstand. Ein Saumweg über das Joch bestand mindestens bereits seit Beginn des 13. Jahrh. Eine ordentliche Fahrstraße ließ indes erst Kaiser Karl VI. ausführen, die 1728 vollendet wurde. Sie trägt auf dem Scheitelpunkte eine Denksäule mit der bezeichnenden Inschrift ditus ad maris Adriatici litorayß. Es ist dies die alte Semmeringstraße, welche durch die 1840 vollendete, wegen ihrer vielen Windungen zwar längere, aber mit Bequemlichkeit fahrbare neue Semmeringstraße ersetzt wurde. Nachdem jedoch im Mai 1842 die Wien-Gloggnitzer Eisenbahn in Betrieb gesetzt worden, ging man alsbald an die Ausführung einer Eisenbahn über den S., die, anfangs mit geringern Mitteln und mit Unterbrechungen aufgenommen, erst mit dem Frühjahre 1850 einen raschern Fortgang hatte, sodaß ungeachtet der größten Schwierigkeiten 1854 die Semmeringbahn dem allgemeinen Verkehrübergeben werden konnte. Letztere ist eine der kühnsten und großartigsten Eisenbahnbauten in Europa, inmitten großartiger, höchst romantischer Umgebung; 15 Tunnels und ebenso viele kolossale Viadukte wechseln mit den außergewöhnlichsten Ansteigungen des Terrains. Die Anlage der Bahn kostete 15 Mill. Fl. Die Bahn führt in einer Länge von 57 km von Gloggnitz nach Mürzzuschlag und setzt als ein integrierender Teil der Osterreichischen Südbahn Wien mit Triest in Verbindung. Seit 1882 besteht in der Nähe des Stationsplatzes ein von der Südbahndirektion erbautes Hotel mit prachtvoller Gebirgsaussicht, das auch zu längerm Aufenthalte als Sommerfrische benutzt wird.