FeedSempronier
GeschichteBrockhaus 1882

Sempronier ist der Name eines röm. Geschlechts, das eine vatricische Familie und mehrere plebejische in sich schloß. Die erstere, die den Namen Atratinus trägt, erscheint in den Magistratsfasten zuerst mit Aulus Sempronius Atratinus, der 497 und 491 v. Chr. Konsul war. Ihr gehörte auch Aulus Sempronius Atratinus an, der 444 unter den ersten konsularischen Kriegstribunen sich findet, und Lucius Sempronius Atratinus, der 443 mit Lucius Papirius Mugillanus zuerst das neubegründete Censoramt verwaltete. Unter den plebejischen Familien ist die berühmteste die den Namen Gracchus führende, die mit Tiberius Sempronius Gracchus, der 238 v. Chr. Konsul war, in den Fasten erscheint. Sein gleichnamiger Urenkel war der Gemahl der Cornelia, der Tochter des ältern Scipio Africanus, und der Vater der Sempronia, die sich mit dem jüngern Scipio Africanus verheiratete, und des Tiberius und Gajus Graechus, der berühmtesten aus dem ganzen Geschlecht, deren Gesetze eben auch nach ihrem Geschlechtsnamen Leges Semproniae heißen. (S. Gracchus.) Andern plebejischen Familien des Geschlechts gehörten folgende an: Gajus Sempronius Bläsus, der als Konsul im ersten Punischen Kriege 253 v. Chr. mit seinem Kollegen eine Landung in Afrika machte und auf der Rückkehr Schiffbruch erlitt; Tiberius Sempronius Longus, der im ersten Jahre des zweiten Punischen Kriegs, 218, als Konsul nach Afrika übersetzen sollte, aber von Sicilien zurückgerufen wurde, als Hannibal in Italien erschien, und gegen diesen mit seinem Amtsgenossen Publius Cornelius Scipio die Schlacht an der Trebia verlor; Publius Sempronius Sophus, der als Konsul 304 die Aquer, und Publius Sempronius Sophus, der als Konsul mit Appius Claudius Crassus Picenum 268 unterwarf; Marcus Sempronius Tuditanus, unter dessen Konsulat 240 Livius Andronicus zuerst regelmäßige Dramen auf die röm. Bühne brachte; Publius Sempronius Tuditanus, der als Konsul 204 bei Croton über Hannibal, nachdem er erst von ihm geschlagen worden war, siegte; und Gajus Sempronius Tuditanus, Konsul 129 v. Chr., der durch ein Geschichtswerk, das bis auf geringe Reste verloren ging, sich einen Platz unter den vorzüglichern röm. Annalisten erworben und außerdem ein Werk über die röm. Magistrate verfaßt hat. Nicht lange nach ihm verfaßte Sempronius Asellio eine ebenfalls bis auf einige Fragmente verlorene Geschichte seiner Zeit, in der er eine pragmatische Darstellung zu geben versuchte. Die Fragmente der Werke von beiden gab Peter in Veterum historicorum Romanorum relliquiaes (Lpz. 1870) und in Historicorum Romanorum fragmenta o (Lpz. 1883) gesammelt heraus. Vgl. Stelkers, «Der röm. Geschichtschreiber Sempronius Aselliop (Krefeld 1867), und Eggert, «Sempronius Aselliod (Rost. 1869).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 693Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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