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ErdkundeBrockhaus 1882

Seraing, Dorf in der belg. Provinz Lüttich, 8 km oberhalb Lüttich in reizender Gegend am rechten Ufer der Maas, Station der Linie Lüttich-Namur der Nordbahn, ist seit 1843 mittels einer prächtigen Eisendrahtbrücke mit dem Dorfe Jemeppe verbunden und hat durch die ausgedehnten Maschinenwerkstätten, Hohöfen, Stahl- und Eisenfabriken und Kohlenbergwerke John Cockerills (s. d.) hohe industrielle Berühmtheit erlangt. Das Schloß, ehemals die Sommerresidenz der Fürstbischöfe von Lüttich, wurde 1817 von den Gebrüdern Cockerill von der niederländ. Regierung angekauft und bildete seit 1820 den Ausgangspunkt der nunmehr über 108 ha sich erstreckenden Fabrikbaulichkeiten. Die großartigen Verhältnisse dieser Fabriken, denen das Eisen in der rohesten Erzform überliefert wird, um als elegante Dampfmaschine daraus hervorzugehen, ergeben sich aus dem Umstande, daß sie durchschnittlich mehr als eine Million Kilogramm Kohlen verbrauchen, die Löhnung der Beamten und Arbeiter (gegenwärtig 11000) jährlich mehr als 10 Mill. Frs. beträgt, außer andern Dampfmaschinen und Eisenfabrikaten jährlich 100 Lokomotiven, 14 Dampfschiffe zu Stande gebracht werden können und die jährliche Produktion sich auf 40 Mill. beläuft. Nach Cockerills Tode wurde infolge einer bedenklichen Krisis die Fortführung von dessen Etablissements zu Lüttich und S. von einer aus den Gläubigern gebildeten anonymen Gesellschaft mit einem Kapital von 15 Mill. übernommen. Die Bevölkerung des Dorfs und der zugehörigen Weiler, die bei der Cockerillschen Ansiedelung 1820 sich auf etwa 2000 Seelen belief, betrug 1884 bereits 30607. Vgl. Jacquamin, XNotice sur Létablissement Cockerill à S.5 (Lütt. 1878).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 709Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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