FeedSerail
BaukunstBrockhaus 1882

Serail ist die französierte Form des aus dem Persischen in das Türkische übergegangenen Worts Serài (großes Haus, Palast) und bezeichnet vorzugsweise die den östlichsten Stadtteil Konstantinopels bildende, durch eine mittelalterliche Mauer mit Türmen und Zinnen gegen die Stadt wie gegen das Meer verteidigte Hauptresidenz der türk. Sultane. Dieses S. bildet einen ansehnlichen Komplex von Höfen, Dienstwohnungen, Palästen, Kiosks und Gärten, welcher durch die aus dunkeln Baumgruppen hervorschimmernden eigentümlichen architektonischen Formen einen interessanten Anblick gewährt. Durch den in der Westmauer gegenüber der Aja-Sophia befindlichen Eingang, Babi-Humajun, das Kaiserliche Thor, tritt man auf den äußern Hof, an welchem das Finanzministerium, die Münze und die zum Zeughause eingerichtete byzant. Irenenkirche liegen. Ein weiteres Thor, Bab-es-Seläm, die Pforte des Heils, führt auf den zweiten, viel kleinern, mit Arkaden umgebenen Hof, wo die Kasernen der frühern Palastwachen, Bostandschis und Janitscharen, gezeigt werden. Ein reichverziertes, bis vor kurzem von weißen Eunuchen bewachtes drittes Thor, Bab-i-Seadet, die Pforte der Glückseligkeit, öffnet sich von da gegen den wichtigsten innersten Hof, in welchem von Gebäuden vornehmlich der düstere, aber großartig prachtvolle Thronsaal und die Hazneh oder Schatzkammer bemerkenswert sind. Dazu kommen noch die den Ostrand der Landzunge umsäumenden Uferpaläste, welche, wie überhaupt diese alte Residenz, seit Sultan Mahmuds II. Zeiten unbewohnt stehen. Von den Kiosks ist das in den Gärten der Südseite gelegene Gülhaneh (Rosenhaus) durch den daselbst 1839 publizierten, nach ihm benannten Hatti-Scherif merkwürdig geworden. Eski-Serai, das alte S., ist eine auf dem Plateau der Stadt, an der Stelle des Senatspalastes der alten Stadt errichtete, mit hoher Mauer umgebene Gebäudegruppe, welche teils als Kriegsministerium, teils als Wohnung der Frauen verstorbener Sultane dient.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 709Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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