Serrano y Dominguez (Francisco), Herzog dela Torre, hervorragender span. Staatsmann und Marschall, Sohn des schon zur Zeit des Halbinselkriegs genannten Feldmarschalls Serrano y Cuenca, wurde 17. Sept. 1810 zu Arjonilla in Andalusien geboren, erhielt schon 1825 das Lieutenantspatent und entschied sich 1833 nach dem Tode Ferdinands VII. für die Sache der unmündigen Königin Isabella II. An den fast siebenjährigen Kämpfen gegen den Kronprätendenten Don Carlos nahm er als Adjutant der verschiedenen Oberbefehlshaber in Aragonien rühmlich teil, schloß sich 1840 Espartero an, wurde Divisionsgeneral und stellte sich 1843, als er die Sache Esparteros verloren sah, an die Spitze der provisorischen Regierung in Barcelona. Im Ministerium Lopez hatte er das Portefeuille des Kriegs. Nach dem Sturze Esparteros und Narvaez' Einzug in die Hauptstadt (22. Juli w1843) übernahm S. vorübergehend wieder das Kriegsministerium und wurde von der Königin Isabella, mit welcher er in intimem Verhältnis stand, zum Generallieutenant, 1845 zum Senator ernannt. Später gehörte er zu mehrern Kabinetten, geriet aber, als die Reaktion eine Wiedervereinigung der liberalen Elemente beförderte, mit den Konservativen in Zerwürfnis und schloß sich den Progressisten an. Er wurde 1852 Generaldirektor der Artillerie, 1856 Militärgouverneur von Neu-Castilien und Generalkapitän der Armee, 1857 Botschafter in Paris, 1859 Generalkapitän in Cuba, wo ihm die Versuche zur Wiedererwerbung von Santo-Domingo 1862 die Erhebung zum Herzog de la Torre und Granden erster Klasse eintrugen. Nach seiner Rückkehr führte er bis zum März 1863 das Portefeuille der auswärtigen Angelegenheiten. Im J. 1865 wandte er sich dem wieder ans Ruder gelangten O'Donnell zu, der ihn dafür mit dem Vorsitz im Senat belohnte. Als die Regierung die Berufung der Cortes über die gesetzliche Zeit hinaus verzögerte, unterzeichnete eine große Anzahl von Mitgliedern der Opposition einen Protest, den S. und der Präsident der Deputiertenkammer, Rios Rosas, der Königin überreichen sollten. Das Ministerium Narvaez kam dieser Kundgebung durch Verhaftung und Verbannung der Präsidenten und fast aller Protestierenden zuvor. S. wurde in das Militärgefängnis bei Alicante abgeführt, erhielt aber schon nach einigen Wochen seine Freiheit zurück. Nach dem Sturze und dem Tode O'Donnells (1867) wurde S. von der Liberalen Union als Führer anerkannt. Er hatte die Oberleitung der gegen die Günstlingsherrschaft gerichteten Verschwörung. Zu dem Zweck hatte S. eine Koalition der unionistischen und progressistischen Parteiführer zu Stande gebracht. Aber der neue Ministerpräsident Gonzalez Bravo, noch rechtzeitig benachrichtigt, ließ die Generale früh morgens 7. Juli 1868 aufheben, S. nebst drei andern nach den Canarischen Inseln, andere nach andern Orten transportieren. Während des Aufenthalts der Königin in San-Sebastian brach der Aufstand im Sept. 1868 aus. S. und seine Genossen wurden von den Canarischen Inseln abgeholt, und 19. Sept. erschien die Proklamation von Cadiz, mit dem Namen S.s an der Spitze. Dieser zog mit den abgefallenen Truppen gegen Madrid und schlug das königl. Heer 28. Sept. bei Alcolea. (S. Spanien, Geschichte.) In dem neuen Ministerium übernahm er die Ministerpräsidentschaft und wurde 15. Juni 1869 von den Cortes zum Regenten gewählt bis zur Wiederbesetzung des Throns. Am 2. Jan. 1871 legte er die Gewalt in die Hände des neuen Königs Amadeus und wurde von diesem zum Ministerpräsidenten ernannt, welchen Posten er bis zum 23. Juli inne hatte. Zum Oberkommandanten der baskischen Provinzen ernannt, nötigte er durch seinen Sieg bei Oroquieta 4. Mai 1872 Don Carlos zur Flucht nach Frankreich und gewährte in der Konvention von Amorevieta (24. Mai) den Aufständischen volle Amnestie. Darauf übernahm er 4. Juni die Ministerpräsidentur und das Kriegsministerium, trat aber schon 12. Juni wieder zurück, weil König Amadeus sich weigerte, die verfassungsmäßigen Garantien zeitweilig zu suspendieren. Bei der Abdankung des Königs Amadeus (11. Febr. 1873) und der Proklamierung der Republik hielt er sich im Hintergrunde. Erst nachdem General Pavia (3. Jan. 1844) mit Gewalt die Cortes aufgehoben hatte, trat S., der Urheber dieses Staatsstreichs, wieder in den Vordergrund, wurde Präsident der Exekutivgewalt, zog im März 1874 selbst gegen die Karlisten und zwang sie, nach den erfolglosen Kämpfen bei Sommorrostro (25. und 26. März), durch seinen Angriff vom 28. April, ihre Stellungen aufzugeben und sich nach den Bergen von Navarra zurückzuziehen. Zu Ende des Jahres, als die Karlisten im Norden wieder Fortschritte machten, zog S. noch einmal ins Feld, um sie mit 80 000 Mann aus ihrer festen Stellung bei Estella zurückzudrängen, legte aber, auf die Nachricht von der Proklamierung des Prinzen Alfons zum König, den Oberbefehl und die Präsidentschaft nieder. Er spielte von da an keine hervorragende Rolle mehr, beteiligte sich im Okt. 1883 als Führer der dynastischen Linken an dem Zustandekommen des Ministeriums Possada, ohne selbst ein Portefeuille anzunehmen, und übernahm im November den Botschafterposten in Paris. Doch gab er denselben bald wieder auf und starb in Madrid 26. Nov. 1885.