FeedServet (Michael)
ReligionBrockhaus 1882

Servet (Michael), geistvoller Gegner der kirchl. Trinitätslehre, wurde 1511 als Sproß einer altchristl. Familie zu Tudela in Aragonien geboren. Nach seiner Mutter nannte er sich oft auch Reves und nach Villanueva, seinem väterlichen Stammorte, Villanovanus. Im Alter von 14 oder 15 J. trat er in die Dienste des Pater Quintana, des spätern Beichtvaters Karls V., und kam mit ihm zunächst nach Toulouse, wo er Jurisprudenz studierte, aber durch das Auffinden der Bibel zugleich zum Studium der Heiligen Schrift angeregt wurde. Im J. 1530 wohnte er der Kaiferkrönung in Bologna und dem Reichstag in Augsburg bei. Im gleichen Jahre verhandelte er in Basel mit Okolampadius theol. Materien, besonders die Lehre von der Dreieinigkeit, und 1531 erschien seine Schrift De trinitatis erroribus libri septemeo, wo er die kirchliche Trinitätslehre angriff und statt der drei Personen nur drei «Dispositioneno des Einen, unteilbaren und ewigen Gottes lehrte. In milderer Form und mit einigen Zugeständnissen sprach S. dieselben Gedanken aus in der Schrift Dialogorum de trinitate libri duo; de justitia regni Christi capitula quattuoro (1532). Wegen seiner Ansichten überall angefeindet, begab sich S. nach Paris, wo er unter dem Namen Michel de Villeneuve Mathematik und Medizin studierte bis 1534. In Lyon 1535 als Korrektor beschäftigt, veranstaltete S. eine geschätzte Ausgabe des Ptolemäus, kehrte 1537 nach Paris zurück, wo er Vorlesungen über Geographie, Astrologie, Mathematik, Medizin hielt und die berühmte Schrift «De Syrupis » veröffentlichte, erregte aber durch den außerordentlichen Beifall, den er bei den Studierenden fand, und durch seine heftigen Angriffe gegen die damalige Medizin den Unwillen der ältern Arzte in so hohem Grade, daß er mit Hilfe eines gerichtlichen Urteils aus Paris vertrieben ward. Nachdem er auch an andern Orten sich nur kurze Zeit aufgehalten, begab er sich 1540 nach Vienne, wo sein Freund und früherer Zuhörer, der Erzbischof Paulmier, ihn schützte. Hier lebte S. 13 Jahre lang als Arzt. Im J. 1542 erschien von ihm eine neue Ausgabe der lat. Bibel des Dominikaners Sanctes Pagninus. Über theol. Fragen stand S. in eifrigem Briefwechsel mit Calvin und 1553 erschien seine wichtigste Schrift «Christianismi Restitutiov. Trotz der Anonymität ward der Verfasser verraten und S. wegen Ketzerei zur Verantwortung gezogen. Es gelang ihm, wahrscheinlich mit Hilfe des Erzbischofs, zu entfliehen; er wollte durch die Schweiz nach Italien reisen. Auf der Durchreise wurde er in Genf nach Calvins Wunsch 13. Aug. 1553 verhaftet. Die Anklage lautete auf Verleugnung Gottes und Christi. Auf Calvins Drängen ward S. nach mehrfachem Verhör zum Tode verurteilt und 27. Okt. 1553 als Ketzer verbrannt. S. war ein Mann von inniger Frömmigkeit, von wahrhaft großartiger Begeisterung für das, was er als Wahrheit erkannte, und von imponierendem Charakter. Als Gelehrter war er von ausgebreiteten Kenntnissen, bekannt als Entdecker des Blutumlaufs, in mehr als einer Wissenschaft wohl bewandert. In der Theologie freilich kommt er über eine Fülle dunkler, chaotischer, häufig kaum verständlicher und einander mehrfach widersprechender Gedanken nicht hinaus; so scharfsinnig seine Bekämpfung der kirchlichen Trinität und Christologie auch ist, so ungenügend sind seine eigenen Aufstellungen. Vgl. Trechsel, «Die prot. Antitrinitarier (Bd. 1: «Michael S. und seine Vorgängero, Heidelb. 1839); Brunnemann, «Servety (Lpz.1865); Pünjer, De Michaelis Serveti doctrinao (Jena 1876); Willis, &S. and Calvino (Lond. 1877); Tollin, Das Lehrsystem Michael S.s „ (3 Bde., Gütersloh 1876 78), sowie die übrigen zahlreichen Arbeiten Tollins über S.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 729Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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