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BaukunstBrockhaus 1882

Siccard von Siecardsburg (Aug. von), österr. Architekt, geb. zu Wien 6. Dez. 1813, besuchte das Gymnasium zu Melk und das Polytechnische Institut zu Wien und wurde 1835 als Assistent an die Lehrkanzel für Baukunst des Polytechnischen Instituts berufen. Von gleichem Eifer für die Hebung des damals auch in Ssterreich tief gesunkenen Fachs der Architektur erfüllt, vereinigte er sich mit E. van der Nüll (s. d.), mit dem er bis zum Tode nicht allein durch persönliche Freundschaft, sondern auch durch gemeinschaftliche Ausführung von architektonischen Werken so innig verbunden blieb, daß die öffentliche Thätigkeit beider Künstler zusammen-Ralt werden muß. Nachdem S. mit van der tüll 1839—44 Italien bereist und nach der Rückkehr in Wien zum Professor an der Kunstakademie ernannt worden, begannen beide ihre Kunstthätigkeit mit dem Bau des Carl-Theaters und des Sophienbadsaals, bei welcher Gelegenheit sie auch ihr Talent für Dekoration zur Geltung zu bringen wußten und die Ideale des Renaissancestils anstrebten. Es folgten dann seit 1848 das Projekt zum Arsenal, 1852 der Bau der Wiener-Neustädter Militärakademie und 1860 — 66 das neue Opernhaus zu Wien. Dieser letzte Bau absorbierte ihre ganze geistige Kraft. S. fiel zumeist das konstruktive Element des Baues zu, während van der Nüll das dekorative übernahm. Mit diesem Prachtbau wurden beide die Gründer der Epoche der neuern wiener Bauthätigkeit. S. starb zu Wien 11. Juni 1868.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 771Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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