Teirich (Valentin), Architekt und kunstgewerblicher Zeichner, geb. in Wien 23. Aug. 1844, lernte unter Friedr. Schmidt an der Akademie und später unter van der Nüll. Auf längern Reisen in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und England, besonders aber in Italien erwarb er ausgebreitete Kenntnisse in kunstgewerblichen Angelegenheiten. Seine so erlangte Bildung und eine äußerst präcise Technit des Zeichnens befähigten ihn ganz besonders zu einer eingreifenden Beteiligung an den in den 60er Jahren beginnenden Unternehmungen des Osterreichischen Museums für Kunst und Industrie, an welches ihn Citelberger heranzog. Er wurde 1868 Docent, dann Professor der Kunstgewerbeschule, zugleich auch Docent des Polytechnikums. Durch sein epochemachendes Werk: „Ornamente aus der Blütezeit ital. Renaissanced (Wien 1871 fg.) wurde er der Begründer des für längere Zeit den österr. Aufschwung des Kunstgewerbes beherrschenden Geschmacks, welcher erst in der neuesten Zeit sich dem Stil des Quatrocento ab⸗ und dem der Barockzeit zugewendet hat. T. ließ auf jenes Werk, welches die oberitalienischen Intarsien als Muster hingestellt hatte, noch die Eingelegten Marmormonumente des Mittelalters und der Renaissanced (Wien 1874) folgen, und gründete die Blätter für Kunstgewerbev (1872), welche unter seiner Redaction das bedeutendste Organ der deutschen kunstgewerblichen Bewegung waren. Nach seinen Entwürfen wurden zahlreiche Arbeiten ausgeführt, von denen die bedeutendste ein im Auftrag des Kaisers Franz Joseph gefertigter Prachtschrein ist, ber welchen T. 1874 eine besondere, reich ausgestattete Publikation herausgab. Seine „Bronzen aus der Zeit der ital. Renaissancer erschienen nach T.s Tode (Wien 1877). Er starb 8. Febr. 1877. T. hat das Verdienst, die wiener Schule zuerst an gediegene Muster der strengen Renaissance gewöhnt und einen ernsten Zeichenunterricht begründet zu haben; als ein Mangel ist aber zu betrachten, daß er bereits die Neigung für Prachtleistungen anstatt einfacher und gediegener Arbeiten förderte und nicht erkannte, daß keineswegs die Stilformen der frühen, sondern die der spätern Renaissance dem süddeutschen Kunstcharakter besser entsprächen.