FeedSiegel
BaukunstBrockhaus 1882

Siegel (sigillum, secretum, signetum oder signum) nennt man den Abdruck eines Stempels in eine weichere Masse. Zum Siegeln gebrauchte man schon in den frühesten Zeiten verschiedene Stoffe, je nach dem Unterschiede der Stände. An die Stelle des Wachses in seiner ursprünglichen Farbe trat später gefärbtes Wachs, auch gebrauchte man Blei und andere, selbst edle Metalle zur Anfertigung der S. Des Goldes und Silbers bedienten sich zum Siegeln die byzant. Kaiser, des Bleies die Päpste und die Großmeister der geistlichen Ritterorden. Später siegelten Kaiser und Könige mit rotem Wachs und verliehen dieses Recht auch andern Fürsten und Herren; grünes Wachs gebrauchten geistliche Stifter, Klöster u. s. w., weißes Wachs führten die Freien Reichsstädte, schwarzes Wachs der Patriarch von Jerusalem und die Großmeister der geistlichen Ritterorden in weniger wichtigen Angelegenheiten. Noch später trat die Oblate (s. d.) an Stelle des Wachses und im 16. Jahrh. das Siegellack (s. d.). Die auf den S. dargestellten Gegenstände sind sehr verschieden. Ursprünglich setzte man darein den Kopf dessen, der das S. führte; so in den S. der deutschen Kaiser im frühen Mittelalter. Diese Köpfe waren meist in Siegelringen eingeschnitten und von vorzüglicher Arbeit. Doch gab es damals auch schon andere Gegenstände auf den S. Im 11. Jahrh. wurde gebräuchlich, Wappen in die S. zu setzen, wobei später die nicht zu Wappen Berechtigten ideelle Wappen gebrauchten. Die Kaiser und Könige bedienten sich seit dem 10. Jahrh. größerer S., auf denen die ganze Figur sitzend dargestellt ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 800Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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