Siedepunkt nennt man den Wärmegrad, wobei eine Flüssigkeit siedet, d. i. in ihrer ganzen Masse aufsteigende Dampfblasen entwickelt. Die Physiker benutzen den S. des Wassers zur Bestimmung eines fixen Punktes für die Grade des Thermometers. Dieser S. ist jedoch nur beim Sieden chemisch reinen Wassers und bei einerlei Druck der Atmosphäre beständig. Welchen Einfluß der Druck der Luft auf den S. habe, beweisen die Versuche, daß in einem luftleeren Ballon das Wasser bei einem viel tiefern Wärmegrade als gewöhnlich zum Sieden gebracht wird, und daß es dagegen in dem Papinischen Digestor, wo seine nicht entweichenden Dämpfe auf das Wasser einen großen Druck ausüben, einen hohen Grad der Hitze annimmt. Bei dem mittlern Druck der Atmosphäre, d. i. bei 760 mm Barometerstand beträgt der S. des chemisch reinen Wassers 80 R. 100 C. = 212 F. Auf Bergen findet man, wegen der Abnahme des Luftdrucks nach oben, den S. um so niedriger, je höher man kommt, sodaß man ein genau und fein eingeteiltes Thermometer, ähnlich wie das Barometer, zur Höhenmessung benutzen kann. (Vgl. Hypsothermometer.) Der S. ist je nach der chem. Beschaffenheit der Flüssigkeiten sehr verschieden; so z. B. beträgt er für Schwefeläther 35 C., für Alkohol 78· C., Leinöl 316 C., Quecksilber 360˙ C. Im allgemeinen verdunsten die Flüssigkeiten um so leichter, je tiefer ihr S. liegt. Durch Abwesenheit von Luft⸗ oder Gasbläschen in den Flüssigkeiten erhöht sich ihr S., man sagt dann sie erleiden einen Siedeverzug.