Skalde (skäld, neutralen Geschlechts), das altnord. Wort für «Dichtero und in diesem Einne durch Gerstenberg, Klopstock u. a. auch ins Deutsche aufgenommen. Das, was die Kunst des nordischen S. und seine Erzeugnisse charakterisiert und diese von der Prosa unterscheidet, ist im allgemeinen lediglich die künstliche Form des Versmaßes und des sprachlichen Ausdrucks; eine Reihe von Nominalbegriffen (z. B. Mann, Schwert, Kampf u. f. w.) drückt er teils durch Worte aus, die der Prosa fremd und nur der poetischen Sprache eigen sind, teils und zwar vorzugsweise durch bildliche Umschreibungen (Kenningar), die aus zwei, drei und mehr Worten zusammengesetzt und der Mythologie, der Heldensage, der Natur entlehnt sind; Versprengung der zusammengehörigen Worte und Verschränkung der Sätze, wenn nicht hier und da aus rhetorischen Zwecken beabsichtigt, erscheinen meist als Folge metrischen Zwanges. Dazu kommt noch, daß die Verszeile eine bestimmte Anzahl Silben hat (meist sechs), die nicht überschritten werden darf. Ein Lehrbuch dieser skaldischen Kunst bildet die dem Snorri Sturluson (s. d. beigelegte Edda. Die S. bilden keinen besondern Stand „sondern jeder, der sich skaldische Kunst aneignet, ist und heißt skäld. Auch Frauen übten sich in dieser Kunst. Isländer ründeten darauf einen Lebensberuf, indem sie seit eginn des 10. Jahrh. die nord., engl. und brit. Fürstenhöfe bereisten, um sich durch Vortrag ihrer Lobgedichte auf den Fürsten, der sog. Drapas, Besitz und Stellung bei ihm zu erwerben. Diese Lobgedichte dienen durch ihren histor. Inhalt für die Zeit, in der es noch keine Geschichtschreibung gibt, als die einzigen Quellen und werden in diesem Sinne auch von den isländ. Sagaschreibern des 12. und 13. Jahrh. benutzt. Von namhaften S. gehören die ältesten Norwegen an 6. B. Brage, Thiodolf von Hvin, Eyvind u. s. w.), die weit überwiegende Mehrzahl sind Isländer, vor allem: Egil, Hallfred, Sighvat, Snorri Sturluson u. v. a. (S. Nordische Sprachen und Litteraturen.) Ein altes Verzeichnis von S., die nordische Fürsten durch ihre Drapas gefeiert haben, das sog. sKkäàIdatal, findet sich in der upsalaer 46, Mobins Snorres Edda, herausgegeben in Th. töbius „Catalogus librorum islandicorum et norvegicorum aetatis mediae v (Epz. 1856); eine Ausgabe desselben nach älterer Überlieferung und mit reichem Kommentar enthält der dritte Band der Arna-Magnäischen Ausgabe der Snorra-Edda