Sokötöra, Sokötra, eine 130 km lange, 90 km breite Insel von 3579 gkm Fläche an der Küste Ostafrikas, 237 Km vom Kap Guardafui, ist felsig und mit bis zu 1419 m (Dschebl-Hayier) ansteigenden nackten Granit⸗, auch Porphyr⸗, Dioritbergen und 210 —580 mehoch ansteigenden Kalksteinplateaus bedeckt, während die Küste aus einem flachen Strande besteht. Die zahlreichen Thaleinschnitte, welche meist von Norden nach Süden verlaufen, sind ungemein schroff und tief. Die engen Thäler haben keinen Mangel an Quellen und fließenden Bächen und enthalten auf humusreichem Boden kräftigen Pflanzenwuchs. Dagegen sind die Höhen dürr und sehr von Vegetation entblößt. Nur die Aloé und die Dattelpalme gedeihen vortrefflich. Die wichtigsten Produkte und Exporte bilden das bittere Harz aus dem Safte der Alo6 locotrina, ferner Drachenblut (Kätir im Altarabischen), schwach riechendes, hellfarbiges Amaragummi, Datteln; die Insel hat etwa 200 Kamele, 1600 Rinder, zahlreiche Schafe und noch mehr Ziegen; das größte wilde Tier ist die Zibetkatze. Die Bevölkerung von etwa 10000 Köpfen ist meist mohammedanisch, an der Küste eine Mischung von Arabern, Negern, Indern und andern Fremden, mit neuarab. Sprache. Im Innern finden sich noch Reste der Urbevölkerung von abweichendem, viel kräftigerm physischen Charakter und verschiedener Sprache. Die Küstenbevölkerung, vorzüglich auf der Nordseite angesiedelt, unterhält wenig Bodenkultur, aber mehr Handel mit Maskät und Zanzibar und verproviantiert die trotz des Mangels an Häfen häufig anlegenden Ostindienfahrer und Walfischfänger. Tamarida, an der Nordküste, ist der Hauptort mit 100 E., Residenz des Schechs von S., und hat die beste Reede der Insel. Schon im Altertum war S. unter dem Namen Dioscorida wegen seiner günstigen Lage am Eingang des Roten Meers und seiner beiden Reeden eine Handelsstation. Später gehörte die Insel den Portugiesen (seit 1507), dann dem Imam von Maskat, hierauf dem Sultan von Keschin; 1835 erwarben die Engländer die Insel und benutzten sie zur Kohlenniederlage für Dampff chiffe von Suez nach Bombay, gaben ihren Besitz zwar wegen des fiebererzeugenden Klimas wieder auf, besetzten sie jedoch vorübergehend im Juni 1878 wieder.