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ErdkundeBrockhaus 1882

Soldin, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Frankfurt, einst Hauptstadt der Neumark, liegt an der südöstl. Ecke des 7 km langen und bis 2 km breiten Soldinersees (des größten der Neumark), aus welchem hier die Mietzel abfließt, ist Station der Stargard-Küstriner Eisenbahn, Sitz eines Landratamts und eines Amtsgerichts und zählt (1880) 6167 E., die sich, mit Ausnahme von 92 Juden und 32 Katholiken, zum Protestantismus bekennen. Seit dem großen Brande von 1539, welcher den ganzen Ort bis auf das Kloster in Asche legte, ist S. regelmäßig angelegt und durch gerade Straßen in 22 Häuserquadrate geteilt. Unter den Bauwerken sind die alte Domkirche, die Kirche des ehemaligen Dominikanerklosters (jetzt den Reformierten gehörig), die St. Gertraudshospitalkirche und das neue Schulhaus, sowie das Nathaus am regelmäßigen, mit Linden bepflanzten Marktplatz mit dem vom Kreise seinen im Deutsch-Französischen Kriege von 1870 und 1871 gefallenen Söhnen errichteten Denkmal zu erwähnen. Die hauptsächlichste Nahrungsquelle der Bewohner ist der Ackerbau; die früher blühende Tuch⸗, Wollzeug⸗ und Strumpffabrikation ist nur noch unbedeutend. Fabriken sind, außer einer Fabrik für landwirtschaftliche Geräte und Maschinen, nicht vorhanden. — S. wird urkundlich zuerst 1262 erwähnt, als die Tempelherren ihren Hof S. und den See gleichen Namens nebst Zubehör an die Markgrafen von Brandenburg abtraten. Durch die Privilegien von 1281 und 1317 wurde S. zum Vorort für die Städte jenseit der Oder bestimmt, bei welchem dieselben Recht nehmen mußten. Das 1298 gegründete und in der Folge reich ausgestattete Domstift ist seit 1546 aufgehoben. — Der Kreis Soldin zählt (1885) auf 1145,9 qkm nur 47979 E.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 907Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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