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ErdkundeBrockhaus 1882

Sonneberg, Kreis im Oberlande des Herzogtums Sachsen-Meiningen, 347, qkm mit (1880) 43000 E., bildet die Südabdachung des südöstl. Thüringerwaldes. Von dem Holze, welches das Gebirge in Menge liefert, geht ein guter Teil den Main und Rhein hinab (Holländerstämmer), von dem im Lande bleibenden Blochholz wird viel zu Kisten verarbeitet, weniger zur Spielwarenfabrikation gebraucht, deren Hauptmaterial vielmehr Papiermaché ist. Während die Gewinnung und Verarbeitung des Eisenerzes ganz aufgehört hat, beschäftigt in mehrern Ortschaften des Gebirges das Brechen des Griffelschiefers und die Fabrikation von Griffeln (Schieferstiften) viele Hände. Das Land ist durch eine Menge Gewerbebetriebe und Fabriken, Glashütten, Porzellanfabriken, Märbel- und Schneidemühlen, die ihre Bretter zum Teil weithin versenden, belebt, auch mehrere Eisengießereien (die wichtigste in Oberlind bei Sonneberg) sind zu erwähnen. Zahlreiche Brauereien liefern vorzügliches Bier. Der Mittelpunkt des lebhaften Industriebetriebes und Handels ist die Hauptstadt Sonneberg, an der Röthen, Station der Linie Coburg-Lauscha der Werrabahn, Sitz einer Handels⸗ und Gewerbekammer, hat eine höhere Bürgerschule mit Handelsabteilung, eine Industrie- und Töchterschule und eine besuchte elektrische und Kaltwasserheilanstalt. Die Stadt zählt (1885) 10200 E., welche hauptsächlich Spielwaren aus Papiermaché, darunter besonders Puppen, verfertigen. Bedeutend ist der Handel S.s, der den größten Teil der Fabrikate des ganzen Kreises unter dem Namen Sonneberger Waren nach allen Gegenden der Erde, vorzugsweise nach England, Nord- und Südamerika, befördert. Am Fellberg und in dessen Nähe, 1½ Stunden nordnordwestlich von S., wird das Material für sämtliche Griffel der Erde gebrochen und am Südfuß des genannten Bergs vorzüglicher Ocher gegraben. Soennecken (Friedr.), geb. 20. Sept. 1848 in Dröschede bei Iserlohn, besuchte die Realschule in Iserlohn, erlernte dieKaufmannschaft, gründete 1869 mit Freunden den Kaufmännischen Verein in Iserlohn, war von 1872 bis 1876 als Werkzeugfabrikant in Remscheid thätig und verfaßte daselbst ein Lehrbuch für die Rundschrift (s. d.), welches zum ersten mal in Deutschland eine geläufig schreibbare Zierschrift einführte. Für die Rundschrift konstruierte er auch besondere Federn. Seit 1875 widmete er sich ausschließlich dem Studium der Schriftentwickelung, studierte 1876 und 1877 in Bonn, besuchte die größten Bibliotheken in Deutschland, Frankreich, England, Italien und Rußland, schrieb „(Das deutsche Schriftwesen und die Notwendigkeit seiner Reforme² (Bonn 1881) und hielt in verschiedenen Städten darüber öffentliche Vorträge.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 926Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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