FeedSonnenfels (Jos. von)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Sonnenfels (Jos. von), ein verdienstvoller Schriftsteller, geb. zu Nikolsburg in Mähren 1732, wurde bei den Piaristen erzogen, studierte in Wien die Rechte, daneben aber auch mit Eifer das Hebräische, sodaß er seinem Vater, der jüd. Herkunft war, als Dolmetscher des Hebräischen bei der niederösterr. Regierung beigegeben wurde. Außerdem arbeitete er als Gehilfe bei einem höhern Justizbeamten. Später wurde er Rechnungsführer bei der österr. Arcierengarde, 1763 Lehrer der Staatswissenschaften an der Universität zu Wien. Durch seine Schrift eüber Abschaffung der Torturo (Zür. 1775) bewirkte S., daß in den österr. Staaten die Folter abgeschafft wurde. Trotz der Bemühungen seiner Feinde, ihn als Religionsspötter und Majestätsverbrecher zu stürzen, wurde er von der Kaiserin Maria Theresia zum Rat, 1779 zum Wirkl. Hofrat bei der Geh. böhm. und österr. Hoftanzlei und zum Beisitzer der Studien⸗ und Censur-Kommission und 1810 zum Präsidenten der k. k. Akademie der bildenden Künste ernannt. Er starb 25. April 1817. Er hat im peinlichen Rechte, in der Polizei und im Finanzwesen Verbesserungen durchsetzen helfen, die ihm zu großem Ruhme gereichen. Durch seine Briefe über die wienerische Schaubühner (4 Bde., Wien 1768; Neudruck 1884) und durch andere dramaturgische Arbeiten wurde er der Reformator der Bühne in Österreich. Seine (Gefammelten Schrifteno erschienen in 10 Bänden (Wien 1783—87). Vgl. M. Müller, Joseph von S.v (Jena 1882). [su. Aphelium.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 927Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6