FeedSontag (Henriette)
MusikBrockhaus 1882

Sontag (Henriette), eine der gefeiertsten deutschen Sängerinnen, geb. zu Koblenz 3. Jan. 1806 (nach andern 13. Mai 1805), spielte schon im sechsten Jahre Kinderrollen auf dem darmstädter Theater, genoß im neunten in Prag den Unterricht des Konservatoriums und trat im 15. Jahre als Prinzessin arachy von Pariso) mit vielem Erh0 auf. Ba nachher erhielt sie eine Anstellung bei er deutschen Oper in Wien, wo sie zugleich auch in der ital. Oper mitwirkte. Nach der Auflösung der Oper in Wien 1824 gastierte sie in Leipzig und wurde noch in demselben Jahre, nebst Mutter und jungerer Schwester, an das neue Königstädter Theater in Berlin berufen, wo sie außerordentliche Triumphe feierte und zur königl. Hof⸗ und Kammersängerin ernannt wurde. Im J. 1826 besuchte sie Paris und erntete auch dort stürmischen Beifall. Nach ihrer Rückkehr nach Berlin blieb sie am Königstädtischen Theater bis Ende 1828. Während der J. 1828 und 1829 sang sie unter größtem Beifall abwechselnd in Paris und London. Inzwischen aber hatte sie sich mit dem bei der sardin. Gesandtschaft in Berlin angestellten Grafen Rossi verheiratet, ohne dessen Namen zu führen, da die Familie des Grafen gegen die Heirat war. Im J. 1830 faßte sie den Entschluß, sich von der ühne zurückzuziehen, und sang zum letzten mal im Januar in Paris. Darauf machte sie eine größere Reise, auf der sie sich nur als Konzertsängerin hören ließ, und kehrte dann wieder nach Berlin zurück. Hier ließ sie sich jedoch bewegen, noch einmal in Rossinis „Semiramisv aufzutreten, was 19. Mai 1830 unter größtem Beifall geschah. Später folgte sie ihrem Gemahl auf dessen verschiedenen Gesandtschaftsposten im Haag, beim Deutschen Bunde zu ankfurt a. M., in Petersburg und Berlin. Okonomische Rücksichten nötigten sie 1849, wieder öffentlich aufzutreten. Ihre angenehme Persönlichkeit, die Frische und Lieblichkeit der Stimme, die sie zu erhalten gewußt hatte, und ihr früherer europ. Ruf verschafften ihr auch jetzt noch in Frankreich, England und Deutschland enthusiastische Aufnahme. Sie ging 1853 nach Amerika, wo sie mitten in den Triumphen, die auch hier ihre Kunst errang, 17. Juni 1854 zu Mexiko an der Cholera starb. Graf Rossi ließ die Leiche nach Europa schaffen, wo sie 1855 im Kloster Marienthal bei Ostritz in der sächs. Lausitz beigesetzt wurde. Henriette S. gehörte zu den liebenswürdigsten und begabtesten Vertreterinnen der Kunst des Gesangs. Sie vereinigte die ital. und deutsche Schule durch das geistige Element, das ihre vollendete Technik durchdrang. Als dramatische Sängerin speziell war das Feld ihrer vorzüglichsten und kaum je übertroffenen Wirksamkeit das Weiche und Lyrische, sowie das Graziöse. Die Leidenschaft und das Hochtragische waren ihrem Talent weniger angemessen. Gundling hat ihr Leben in einem Roman Henriette S.v (2 Bde., Lpz. 1861) dargestellt. Ihr jüngerer Bruder Karl S., geb. 20. Febr. 1828 in Dresden, widmete sich seit 1848 am Hoftheater zu Dresden der Bühne, war 1850—51 am Hofburgtheater engagiert, ging dann nach Schwerin, wo er die ersten Helden⸗, Konversationsliebhaber⸗ und Bonvivantrollen gab, und vertrat seit 1859 dieselben Rollenfächer in Dresden, seit 1862 in Hannover, welche Stellung er jedoch im J. 1877 aufgab. Seitdem gastiert er ausschließlich. Seine Theatererinnerungen veröffentlichte er unter dem Titel Vom Nachtwächter zum türk. Kaiserv (3. Aufl. 2 Bde., Hannov. 1876). —— 183 „Sonthofen, Markt und Hauptort eines Bezirksamts im bayr. Regierungsbezirk Schwaben, rechts an der Iller, in den Algäuer Alpen, 738 m über dem Meere, von Wäldern und Wiesen umgeben, Station der Linie Immenstadt-S. der Bayrischen Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts, eines Bezirksamts und eines Hüttenamts, zählt (1885) 1812 kath. C. und hat ein Schloß, Eisengießerei, Weberei, Erzeugung kondensierter Milch und von Käse und sehr besuchte Viehmärkte. Nordöstlich erhebt sich der Grünten (s. d.), welcher meist von S. aus erstiegen wird.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 935Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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