Schröder-Devrient (Wilhelmine), berühmte dramatische Sängerin, Tochter der vorigen, wurde zu Hamburg 6. Okt. 1805 geboren, betrat schon in ihrem fünften Jahre zu Hamburg die Bühne als tanzende Amorine, und im zehnten wurde sie Mitglied des Hörscheltschen Kinderballetts in Wien. Die erste Rolle, welche sie in ihrem 15. Jahre auf dem Burgtheater zu Wien spielte, war die der Aricia in Racines Phädrav. Am 20. Jan. 1821 trat sie als Pamina in der „Zauberflötes auf und entwickelte ihre Gabe des Gesangs. Nachdem sie der Rolle der Leonore im «Fidelioß den Sieg über alle ihre Vorgängerinnen davongetragen, stieg ihr Ruf rasch immer höher, und sie begann nun größere Reisen zu unternehmen. In Berlin, wo sie großes Aufsehen erregte, verheiratete sie sich 1823 mit Karl Devrient (s. d.). Mit ihrem Gatten gemeinschaftlich nahm sie ein Engagement bei dem Hoftheater in Dresden an; doch wurde die Ehe 1828 gelöst. Von Dresden aus unternahm sie häufige Kunstreisen. Im J. 1830 ging sie zum ersten mal nach Paris, wo sie hoch gefeiert wurde, und nach der Rückkehr trat sie wieder in Berlin und andern großen Städten auf. Im nächsten Jahre war sie bei der ital. Oper in Paris engagiert und 1832 trat sie in London auf, wohin man sie auch 1833 und 1837 wieder berief. Auch unternahm sie 1835 eine Kunstreise nach Rußland, Osterreich und durch Deutschland. Diese Zeit war der Kulminationspunkt ihres künstlerischen Wirkens. Ihre meisterhaftesten Leistungen waren Fidelio, Euryanthe, Donna Anna, die Vestalin, Desdemona, Emmeline, Romeo, die Nachtwandlerin, Norma und Valentine. Ihre Stimme war wohllautend und zugleich stark und umfangreich, obwohl sie des eigentlichen Metalls entbehrte. Zugleich entwickelte sie eine hinreißende Intensität des Ausdrucks. Unerreicht war sie in ihrem plastischen Spiel und im mimischen Ausdruck. Am 1. Juni 1847 wurde auf ihren Wunsch ihr Kontrakt mit der dresdener Theaterintendanz aufgehoben. Sie ging hierauf eine Ehe mit einem Herrn von Döring ein, die sehr unglücklich ausfiel und schon Ende 1848 unter Aufopferung ihres Vermögens getrennt wurde. Inzwischen hatte sie eine Gastspielreise durch Deutschland nach Kopen-Hhagen, von da nach Rußland unternommen, wo sie 29. Dez. 1847 in Riga als Romeo zum letzten mal die Bühne betrat. Den Winter von 1849 auf 1850 brachte sie in Paris zu, wo sie Herrn von Bock, einen livländ. Edelmann, kennen lernte, dem sie, nachdem sie sich im März 1850 zu Gotha mit ihm vermählt, nach Livland folgte. Im folgenden Jahre nach Deutschland zurückgekehrt, sah sie sich bei ihrer Ankunft in Dresden in eine Untersuchung wegen ihres Verhaltens beim Maiaufstande von 1849 verwickelt, die zwar niedergeschlagen wurde, aber nachträglich ihre Verweisung aus Rußland zur Folge hatte. Erst einige Jahre später durfte sie nach Livland zurückkehren. Im J. 1856 kam sie nach Berlin, wo sie in Konzerten und gesellschaftlichen Kreisen als lyrische Sängerin auftrat. Wie hier, so fand sie auch 1858 in Dresden, Leipzig u. s. w. als Konzertsängerin Beifall. Sie starb 26. Jan. 1860 zu Coburg. Vgl. Claire von Glümer, „Erinnerungen an Wilhelmine S.» (Lpz. 1862); Wolzogen, Wilhelmine S.v (Lpz. 1863).