Spechte (Pici) heißt eine Ordnung der Vögel, ausgezeichnet durch einen geraden, meist verlängerten meißelartigen Schnabel, mit kurzen, kräftigen Beinen, deren äußere Zehe wie die Innenzehe nach hinten gerichtet ist, und mit dünner, vorschnellbarer Zunge. Die Ordnung zerfällt in zwei Familien, die Wendehälse (JIyngidae) und die eigentlichen Spechte (Picidae); die erstere besteht aus einer Gattung und fünf Arten, die in Europa, Afrika und Nordasien bis Vorderindien vorkommen, ein weiches, mattfarbiges Gefieder, einen abgerundeten Schwanz mit durchaus weichen Federn und einen kaum kopflangen Schnabel haben. Der gemeine Wendehals (Jynx torquilla, Tafel: Spechte, Fig. 1) ist ein 18 em langer, aschgrauer, mit braunen und schwarzen Wellen und Flecken gezeichneter insektenfressender Zugvogel, der in ganz Deutschland, wenn auch meist einzeln vorkommt und in Baumhöhlen 8 — 11 rein weiße, runde Eier legt. Die eigentlichen Spechte, die in mehr als 300 Arten die ganze Erde mit Ausnahme Madagaskars und Australiens nebst den benachbarten Inseln bewohnen, haben einen mindestens kopflangen, meist längern Schnabel und einen keilförmigen Schwanz, dessen zwölf steife Federn am freien Ende zugespitzt sind und beim senkrechten Klettern an Baumstämmen als federnde, elastische Stütze dienen. Die S. leben nur selten von Pflanzenstoffen, meistens von Insekten, welche sie durch geschicktes Aufhacken der Rinde und des Holzes der Bäume erlangen, indem sie in die gemachte Offnung schnell die Bunge senken, deren vorderer Teil hornig, spitz, an den Seiten mit Widerhaken besetzt und zum Anspießen geschickt, deren hinterer, wurmförmiger Teil aber mit einem sehr klebrigen Speichel überzogen ist und als Leimrute dient. Auf diese Weise vernichten sie viele baumzerstörende Insekten, sind aber keineswegs, wie man gemeiniglich glaubt, den Bäumen selbst schädlich, denn gesunde Bäume hacken sie niemals an,‚ weil diese zu hartes Holz haben und weder Insekten, noch deren Larven enthalten. Auch dadurch werden sie nützlich, daß sie andern in Baumhöhlen nistenden Vögeln die Niststätte bereiten. Fast insgesamt sind sie nur mittelgroß, fliegen mittelmäßig schnell mit schnurrendem Geräusch und immer nur auf kleinere Entfernungen, sind übrigens lebhaft und unruhig und entge gen durch Aufmerksamkeit und Klugheit leicht den Nachstellungen. Sie leben in Monogamie, brüten in gut ausgearbeiteten Löchern hohler Bäume und legen 3—7 rein weiße, porzellanglänzende Eier auf Sägespäne oder Wurmmehl. Das Gefieder ist ziemlich lebhaft gefärbt, und bald herrscht Grün, bald Rot vor; man unterscheidet sie nach der Färbung in Schwarzspechte, Grünspechte und Buntspechte. Die europäischen sind teils Stand⸗, teils Strichvögel, welche die Wälder niemals freiwillig verlassen. In Deutschland finden sich der große Buntspecht Picus major, Fig. 2), der obenher schwarz und weiß gefleckt ist, einen roten Hinterleib, schwarzen Unterrücken und Bürzel, und vom Mundwinkel herab einen schwarzen Halsstrich hat; der Hinterkopf ist rot oder beim Weibchen schwarz; der Mittelbuntspecht (Picus medius, Fig. 9) unterscheidet sich vom vorigen durch einen schwarzen, erst unterhalb des Ohrs beginnenden Halsstreifen; der kleine Bunt⸗ oder Zwergspecht (Picus minor, Fig. 7 und 8) ist kaum mehr als 5 em groß, unterseits ohne alles Rot weißlich, am Scheitel rot oder beim Weibchen (Fig. 8) weißlich und am Unterrücken weiß und schwarz gebändert; der ähnliche dreizehige Specht (Picus tridactylus, Fig. 6) zeichnet sich durch nur drei ⁷11 aus. Zu der Gruppe der Buntspechte gehört auch noch der Weiß⸗ oder Elsterspecht (Picus leuconotus, Fig. 11), ein Bewohner des nordöstl. Curopa, der in Deutschland als Brutvogel nur äußerst selten beobachtet wurde. Die größte unter den europ. Arten ist der Schwarzspecht (Picus martius, Fig. 13), oben schwarz mit rotem Scheitel und Genick, der in den deutschen Sagen als Auffinder der Springwurz, die alle Schlösser öffnet, eine bedeutende Rolle spielt; der Grünspecht (Picus viridis, Fig. 12) ist die am weitesten verbreitete Art, die wie der Grauspecht (Picus canus, Fig. 10 durchaus nicht ein ausschließliches Baumleben führt, sondern ihrer Nahrung, besonders den Ameisen, auch auf dem Erdboden nachgeht. Der Elfenbeinschnabel (Picus principalis, Fig. 3) ist die größte Art, die das südl. Nordamerika bewohnt, zoten & mit wenig Weiß gezeichnet ist und einen roten Schopf hat; der Vogel hat eine gewaltige Kraft und sein weißer Schnabel ist bei den Indianern ein beliebter Schmuckgegenstand. Vgl. Malherbe, Monographies des picidéso (Par. 1859); Sundevall, «Conspectus avium Picinarum v (Stockh. 1866).