FeedSpeiche (frz. rais, engl. spoke)
TierreichBrockhaus 1882

Speiche (frz. rais, engl. spoke), bei einem Rad (. d.) einer der Stäbe, welche die Nabe mit den Felgen verbinden. peichel (saliva) ist das alkalische dünnflüssige Sekret der Speicheldrüsen (glandulae salivares), deren der Mensch drei Paare besitzt, die Ohrspeicheldrüse (glandula parotis) hinter dem Kieferwinkel, die Unterkieferdrüse (glandula submaxillaris) in der Mitte des Unterkiefers und die Unterzungendrüse (glandula sublingualis) unter der Zunge. Die Speicheldrüsen besinen, wie die Milchdrüse, einen traubenförmigen Bau und bestehen aus einer großen Anzahl kleiner Läppchen, deren Ausführungsgänge schließlich zu einem großen, in die Mundhöhle führenden zusammenstoßen. Sie sind reichlich mit Blutgefäßen und Nerven versehen, und ihre Thätigkeit ist abhängig von dem Einfluß der Nerven. In ruhendem Zustande sondern sie nicht ab, dagegen thun sie dies, wenn sie, unter naturlichen ältnissen, von der Mundhöhle aus (durch Reflex auf dem Wege der Geschmacksnerven) gereizt, zur Thätigkeit angeregt werden (so beim Kauen, beim Schmecken); auch die bloße Vorstellung eines schmeckenden Körpers bewirkt Speichelabsonderung. Die Absonderung tritt ferner ein bei Ekel und Übelkeit und kann im physiol. Versuch durch Reizung der Drüsennerven hervorgebracht werden. Dem Sekret der Speicheldrüsen mischt sich in der Mundhöhle der Mundschleim bei, und dieses Gemeng kommt bei der Verdauung zur Wirkung. Dieser gemischte S., welcher neben Rhodankalium hauptsächlich eine organische, noch nicht hinreichend erforschte Fermentsubstanz (Speichelstoff oder Ptyalin) enthält, besitzt bei allen Tieren die Eigenschaft, das in Wasser völlig unlösliche Stärkemehl in das lösliche Dextrin und in Traubenzucker umzuwandeln und so für die Aufsaugung in das Blut fähig zu machen, was in sehr kurzer Zeit geschieht, schon während der Bissen noch im Munde verweilt. Im Magen setzt sich diese Wirkung noch fort, wenn der Magensaft nicht zu viel freie Säure enthält. Außerdem macht der S. den Bissen schlüpfrig, durchtränkt ihn mit Flüssigkeit und bereitet ihn so für die Einwirkung des Magensaftes vor. In der verdauenden Einwirkung auf das Stärkemehl sind die Sekrete der einzelnen Drüsen bei verschiedenen Tieren verschieden; beim Menschen besitzen alle Speichelsorten diese Eigenschaft, beim Hunde z. B. nicht alle. Auf die Eiweißkörper und Fette wirkt der Mundspeichel nicht verdauend ein, während der Bauchspeichel, die von der Bauchspeicheldrüse ancreas) abgesonderte Flüssigkeit, auf atle drei Nahrungsbestandteile verdauend einwirkt. Eine übermäßige Absonderung von S. nennt man Speichelfluß (saliratio, Ptyalismus). Dieser lästige Zustand findet sich häufig bei den verschiedenen Entzündungen der Mundschleimhaut, namentlich aber nach der unvorsichtigen Anwendung von Quecksilbermitteln. Ferner erscheint der Speichelfluß während der Schwangerschaft, bei nervösen Unterleibsleiden (Hypochondrie, Hysterie), Skorbut, Lähmungen der Kauwerkzeuge und Wasserscheu, sowie nach dem Genuß einer Abkochung der Jaborandiblätter oder des in denselben enthaltenen Pilokarpins (s. d.). Am wirksamsten erweisen sich dagegen fleißige Ausspülungen des Mundes mit desinfizierenden und adstringierenden Wässern, mit Lösungen von Salicylsäure, chlorsaurem und hypermangansaurem Kali u. dgl. Speichelfistel nennt man einen widernatürlichen Kanal, der den S. aus einer Speicheldrüse oder deren Ausführungsgange an einem unrichtigen Orte ausleert und nur operativ beseitigt werden kann.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 59Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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