Spohr (Louis), ausgezeichneter Komponist und Violinspieler, geb. zu Braunschweig 5. April 1784 als der Sohn eines Arztes, entwickelte frühzeitig ein großes Talent für Musik, hatte aber nur im Violinspiel den Violinisten Maucourt zum Lehrer und half sich im übrigen selbst weiter. Im Alter von 15 J. trat er als Kammermusikus in die Dienste des Herzogs von Braunschweig. Seit 1804 machte er Kunstreisen in Deutschland und begründete seinen Ruf sowohl als Virtuos wie als Komponist für die Violine. Hierauf erhielt er 1805 eine Anstellung als Hofkonzertmeister zu Gotha, wo er sich 1806 mit der Harfen⸗ und Klavierspielerin Dorette Scheidler verheiratete, mit der er verschiedene Kunstreisen machte. Kompositionen aus dieser Zeit sind: die Opern „Alruna und Der Zweikampf der Geliebten v, das bekannte Notturno für Harmoniemusik, sowie die Streichquartette, verschiedene Violinkonzerte, Sonaten für Violine und Harfe, endlich auch seine erste Symphonie (Es-dur) und das Oratorium »Das jüngste Gerichto. Im J. 1812 ging S. nach Wien, wo er beim Theater an der Wien bis 1814 als zweiter Kapellmeister wirkte. Als Tonsetzer schuf er in der Zeit von 1813—15, neben Streichquartetten und Quintetten, Violinsachen u. s. w., sein Nonett und ein Oktett, die Cantate «Das befreite Deutschland (zur Feier der Schlacht von Leipzig) und die Oper «Faust v». Als Virtuos erntete er besonders bei den Festlichkeiten des Kongresses in Wien großen Beifall, war 1815—17 auf Kunstreisen und dann bis 1819 am Theater zu Frankfurt a. M. als Kapellmeister, wo er im April 1819 seine reizende Oper „Zemire und Azoro aufführte. Im J. 1820 ging S., von der Philharmonischen Gesellschaft berufen, nach London, wo er sowohl als Virtuos wie als Komponist große Anerkennung fand. Namentlich gefiel seine zweite Symphonie (D-molh), die er für London geschrieben. Auch in Paris hatte er Erfolg. Mit Neujahr 1822 UKaltel S. das Amt eines Hofkapellmeisters zu Kassel. Hier brachte er die Kapelle auf eine bedeutende Höhe, wirkte im Publikum für Veredlung des musikalischen Geschmacks, entwickelte eine sehr einflußreiche Thätigkeit als Violinlehrer und schuf zugleich seine reifsten und umfassendsten Tonwerke. Dieser Zeit gehören an: die Opern von Abanoo (1827), «Der Alchemist o (1830), (Die Kreuzfahrer » (1845). Hieran reihen sich die Oratorien «Die letzten Dinge » (1825), Des Heilands letzte Stundend (1835), „Der Fall Babylonso (1840 oder 1841), das Vaterunser von Mahlmann (1829) und das von Klopstock (1838), die eHymne an Gotto (1836), die dritte Symphonie (1828), die KWeihe der Töney (1832), die Doppelquartetten, drei achtstimmige Psalmen (1831), die histor. Symphonie (1839), die Doppelsymphonie Irdisches und Göttliches im Menschenleben » (1841), die Symphonie „Die Jahreszeiten o. Dazu kamen Quartette und Quintette, Klaviertrios, ein⸗ und mehrstimmige Lieder, Violinsachen u. s. w. in reicher Zahl. Bei der Feier seines 25jährigen Jubiläums als Hofkapellmeister im Jan. 1847 erhielt er vom Kurfürsten den Titel eines Generalmusikdirektors, verlor indes später die Gunst des Hofs seines polit. Liberalismus wegen, und wurde 1857 in den Ruhestand versetzt. Er starb 22. Okt. 1859. Sein Denkmal zu Kassel (Bronzestatue von Hartzer) wurde 5. April 1883 enthüllt. In allem, was S. geschaffen, macht sich eine edle Empfindungsweise geltend, welcher aber der Mangel eines feurigen leidenschaftlichen Ausdrucks anhaftet. Dadurch haben sich auch S.s Opern und Oratorien trotz ihres reichen musikalischen Gehalts auf die Dauer nicht lebensfähig erwiesen. Die oft wahrnehmbare Monotonie kam von der zu häufig angewandten chromatischen Modulation, und dieses Hilfsmittels bediente er sich, weil er in den Formen der Komposition nicht allseitig geschult war. Seine Violinkonzerte und ähnliche Stücke werden nicht veralten. Was S. für die kunstgemäße Ausgestaltung des deutschen Violinspiels gethan, sichert ihm ein unvergängliches Verdienst. S.s Violinspiel war von einem edeln, gediegenen und maßvollen Gepräge. Der 4 Spohrsche Bogen»ist unter den Geigern im besten Sinne sprichwörtlich geworden. Die Grundsätze seiner Methodik des deutschen Violinspiels hat der Meister in seiner „Violinschule⸗(1831) niedergelegt. S.s Selbstbiographie (2 Bde., Gött. 1862) erschien nach seinem Tode.