FeedSporn
GeschichteBrockhaus 1882

Sporn heißt die eiserne Bewehrung des Vordersteven (s. Steven) von gepanzerten Kriegsschiffen, welche dazu bestimmt ist, beim Anrennen eines Feindes dessen Bordwände zu durchbrechen, um ihn um Sinken zu bringen. Bereits bei den Kriegsschifsen der alten Griechen, Karthager und Römer fand die Anwendung des S. allgemein statt; die Schlacht bei Salamis wurde hauptsächlich durch ihn entschieden. Er verschwand dann aus dem Schiffbau und wurde erst mit der Erfindung der Panzerschiffe wieder hervorgeholt. Wie furchtbar diese Waffe wirken kann, hat der Untergang des ital. Panzerschiffes Re d'Italia in der Schlacht bei Lissa (1866), sowie der der bei Folkestone versehentlich durch den König Wilhelm angerannten deutschen Panzerfregatte Großer Kurfürst dargethan. Die Form des S. ist sehr verschieden; früher machte man ihn bis zu 5 bis 6 m lang, ist jedoch davon zurückgekommen. Jetzt hat er gewöhnlich die Form einer Beilschneide mit einer 2 bis 3m unter der Wasserlinie etwas vorspringenden Spitze, um damit den Gegner unter dessen Panzer zu treffen, der nicht so weit hinabreicht. Als Schutz gegen Spornstöße baut man die Panzerschiffe mit doppeltem Boden und teilt sie außerdem durch eiserne Längs- und Querwände in eine Zahl wasserdichter Abteilungen, von denen ein oder zwei sich mit Wasser füllen können, ohne daß das Schiff sinkt. Bei den gewaltigen Lecken, die ein solcher Spornstoß reißen kann, bieten diese Vorrichtungen jedoch keine unbedingte Sicherheit.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 101Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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