Grumbach (Wilh. von), fränk. Edelmann aus einem alten, im 17. Jahrh. ausgestorbenen Geschlecht, geb. 1. Juni 1503, ein Schwager Florian Geyers und durch seine Frau, eine geborene von Hutten, dem Geschlecht des Humanisten Ulrich von Hutten verwandt, taucht zuerst im Bauernkrieg 1525 auf, wo er gegen den Schwarzen Haufen, bei dem Geyer stand, kämpfte. Bestimmend für sein Leben wurde die Verbindung mit Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg, als dessen Amtmann in Cadolzburg man G. seit 1538 findet. Ihn begleitete er 1540 an den Hof Karls V. nach Genf, kehrte aber nach dem Tode des ihm feindlichen Bischofs von Würzburg, Konrad von Thüngen, zurück, um die Wahl seines Verwandten Konrad von Bibra durchzusetzen. Die vier Jahre, welche dieser regierte, waren für G. sehr vorteilhaft: als Hofmarschall und Amtmann hatte er einträgliche Titel, sein Besitztand ward durch die Gunst des Bischofs konsolidiert. Der Tod Konrads und die Wahl Melchiors von Zobel änderte das Verhältnis. G. legte sein Amt nieder und trat wieder in den Dienst Albrechts. Dessen Lieutenant war er im Schmalkaldischen Krieg; die Reitergeschwader des Markgrafen waren in Mittel⸗ und Niederdeutschland von G. geworben. Nach dem Kriege löste er sein in. zum Bischof, gegen den er vergebens die Selbständigkeit der fränk. Ritterschaft vom Kaiser zu erwirken suchte, und zog mit oder für Albrecht als Truppenwerber umher. Seit 1551 war er dessen Statthalter zu Kulmbach. In dem Kriege Albrechts und der verbündeten Fürsten gegen den Kaiser hielt sich G. ziemlich in der Reserve und vermittelte in dem darauf folgenden Märndgrng Albrechts gegen die fränk. Stifter und Nürnberg den Vertrag, der letztern Ruhe, ihm aber Erhöhung seines Besitzes und Verwandlung seiner würzburg. Lehnsgüter in freies 4 brachte. Diese Verträge suchte Rten, auf dem Kon-Gl von Passau durchzusetzen, erlangte aber ihre en ganne nicht, und da nun auch der Kaiser dieselben cassierte, gelang es dem Bischof, die Güter dem Ritter wieder abzutroten. Der Bund des Kaisers mit Albrecht, der Krieg des letztern zur Durchsetzung seiner Forderungen Ror die Bischöfe und ihre Verbündeten (Kurfürst Moritz u. a.) zog G. wieder in wechselvolle Verhältnisse hinein, welche mit dem Sieg der Bischöflichen auch für ihn ungünstig endeten: seine Güter wurden ihm als Teilnehmer an Albrechts Landfriedensbruch entzogen und unter Verwaltung Heinrichs des Jüngern von Braunschweig Ceru Kan erwirkte G. einen ihm günstigen Spruch des Kammergerichts: bei der lübermacht seiner Gegner konnte er nicht zu seinem Rechte kommen. Am 15. April 1558 wurde der Bischof Melchior auf offener Straße zu Würzburg von einer Rotte Unbekannter angefallen Ind getötet. Wahrscheinlich hatte G. diesen Anschlag eingeleitet, obgleich es kaum in seiner Absicht liegen konnte, den Bischof töten zu lassen, da es ihm nur darum zu thun sein mußte, denselben in seine Gewalt zu bringen. Während der neue Bischof, Friedrich von Wiersberg, einen für die Urheber des Attentats gefährlichen Prozeß einleitete, arbeitete G. an kühnen und weitgreifenden polit. Plänen. Er trat mit dem Adel verschiedener Kreise, besonders aber mit dem fränkischen, in Verbindung und suchte denselben für den Gedanken 0 gewinnen, die Herrschaft der großen Territorialherren im Reiche zu brechen und mit den Waffen in der Hand die Reichsunmittelbarkeit der ganzen Ritterschaft wiederherzustellen. Indessen wagten es nur einige in dem markgräfl. Kriege kompromittierte Edelleute, Wilh. von Stein, Ernst von Mandelslohe, Albr. von Rosenberg, Jobst von Zedtwitz und mehrere Abenteurer, sich mit G. enger zu vereinigen. Um einen mächtigern Rückhalt zu haben, näherte sich G. auch den Herzögen zu Sachsen Ernestinischer Linie und fand besonders bei Johann Friedrich dem Mittlern Gehör, der den Verlust der sächs. Kurwürde und die Demütigung seines Hauses nicht verschmerzen konnte. Zunächst aber suchte sich G. durch eine kühne That in den Besitz seiner Güter zu setzen und das Zutrauen des Adels zu erwecken. Er versammelte mit Mandelslohe und Stein einen Haufen von 800 Reitern und 500 Mann Fußvolk, überfiel mit dieser Schar 4. Okt. 1563 die Stadt Würzburg und erzwang, da der Bischof geflüchtet war, von dem Domkapitel einen Vertrag, in welchem er und seine Genossen ihre eingezogenen Güter zurückerhielten und außerdem durch bedeutende Geldsummen entschädigt wurden. Der Bischof bestätigte zwar nach seiner Rücktehr den Vertrag, trat aber, als der Kaiser jetzt ein Achtsmandat gegen G. erließ (13. Okt. 1563), von dem Vertrag wieder zurück. Um so fester schloß sich nun G. an Johann Friedrich an. Er zog mit seinem Anhange Ende 1564 nach Gotha und verstrickte hier in Verbindung mit dem Kanzler Christian Brück den Herzog völlig in die Umwälzungspläne. Im Einverständnis mit dem franz. Hofe, von welchem G. schon 1558 den Titel eines Reiterobersten der Krone Frankreich erhalten, machten beide dem Herzog zur Wiedererlangung der Kurwürde Hoffnung. Hierdurch brachten sie Kurfürst August, der schon längst solche Anschläge seitens G.s und des ernestinischen Nachbarn fürchtete, vollends auf. Es geschah unter Kursachsens Einfluß, daß Maximilian II. die Reichsacht über G. und seinen Beschützer Johann 1— verhängte und Kurfürst August mit der Exekution beauftragte. Letzterer rückte noch zu aunhmdiee 1566 vor das stark befestigte Gotha und nahm die Stadt nach einer harten Belagerung 13. April 1567 durch Kapitulation mit den Bürgern ein, die sich des Regiments bemächtigt und in einem Aufstand den Geschen Anhang gefangen genommen hatten. Während man den G. und der Herzog nach Wien abführte, wurden G. und der Kanzler Brück durch ein Urteil des Kurfürsten 17. April lebendig gevierteilt, die übrigen Hauptteilnehmer aber enthauptet. Vgl. Ortloff, „Geschichte der G.schen Händel» (4 Bde., Jena 1868 —70). Romanhaft behandelte den Stoff Bechstein in seinem Grumbachv (3 Bde., Hildburgh. u. Meiningen 1839). rumbkow (Friedr. Wilh. von), preuß. Generalfeldmarschall, ein Sohn des brandenb. General-Kriegskommissarius Joachim Ernst von G., geb. 4. Okt. 1678 zu Berlin, trat jung in brandenb. Dienste und nahm an den Kriegen gegen Frankreich teil, in welchen er mehrfach mit diplomatischen Sendungen betraut wurde und bereits bis zum Generalmajor aufstieg; König Friedrich Wilhelm I. ernannte ihn zum Generalkommissar und übertrug ihm damit die Leitung der Finanzen. Im J. 1723 wurde G. erster Vizepräsident des damals neu errichteten General-Ober-Finanz-Kriegs⸗ und Domänendirektoriums und erwarb sich in dieser Stellung Verdienste um die preuß. Finanzen. Dagegen wirkte G. unheilvoll auf polit. Gebiete, wo er insbesondere in Osterreichs Interesse seinen Einfluß auf den König zur Verhinderung der Vermählung des Kronprinzen Friedrich mit einer engl. Prinzessin verwertete und den König in dem Gegensatze zu den Anschauungen und Wünschen des Kronprinzen bestärkte, ja sogar dessen Erbitterung issentlich verschärfte. G. starb zu Berlin 18. März 1739.