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GeschichteBrockhaus 1882

Stein (Charlotte Albertine Ernestine von), Goethes Freundin, geb. 25. Dez. 1742 zu Weimar, war die älteste Tochter des Hofmarschalls von Schardt. Dieselbe verheiratete sich 1764 mit dem herzogl. Stallmeister Baron Friedrich von Stein, dem sie (bis 1774) sieben Kinder gebar. Sie wurde 1793 Witwe und starb 6. Jan. 1827 zu Weimar. Goethe hatte im Juli 1775 in Straßburg bei dem hannov. Arzte Zimmermann ihre Silhouette gesehen, welche, in Verbindung mit Zimmermanns Schilderung von ihr, einen tiefen Eindruck auf ihn machte. Nachdem er im November desselben Jahres nach Weimar gekommen war, erfaßte ihn alsbald eine heftige Leidenschaft zu der fast sieben Jahre ältern Frau, welche zum innigsten langjährigen Seelenbunde zwischen ihnen führte, der auf sein Leben und Dichten großen Einfluß übte. Nach der Rückkunft Goethes von seiner ital. Reise (1788) wollte sich jedoch das alte innige Verhältnis nicht wiederfinden, und die bald darauf von ihm mit seiner nachherigen Gattin Christiane Vulpius eingegangene Verbindung führte eine völlige Entfremdung herbei, die erst ganz allmählich einem gewissen freundschaftlichen Verhältnisse, welches dann bis zum Tode der Frau von S. dauerte, wieder Platz machte. Die zahlreichen Briefe Goethes an Frau von S., mit Ausnahme der Briefe aus Italien, welche er sich für die Ausarbeitung seiner 4Ital. Reise v zurückerbeten hatte und die im Goetheschen Hausarchiv aufbewahrt werden, hat A. Schöll herausgegeben (3 Bde., Weim. 1848; 2. vervollständigte Ausg. von W. Fielitz, Frankf. a. M. 1883—85). Dieselben sind eine hochst wertvolle Quelle für die Geschichte von Goethes äußerm und innerm Leben bis zur ital. Reise. Ihre eigenen Briefe hatte Frau von S. von Goethe sich zurückgeben lassen und kurz vor ihrem Tode verbrannt. Die von ihr 1794 geschriebene, im Besitze des Freien Deutschen Hochstifts in Frankfurt a. M. befindliche und von Düntzer in dessen Auftrage herausgegebene Tragödie in Prosa Didop (Lpz. 1867, neu gedruckt bei Fielitz, «Briefe an Frau von S. v, Bd. 2) ist von geringem poetischen Wert, aber interessant durch Anspielungen und Beziehungen auf ihr Verhältnis zu Goethe und auf die Hauptpersonen des damaligen weimarischen Hofs. Viele anziehende Briefe der Char von S. an Schillers Gattin finden sich in «Charlotte von Schiller und ihre Freunde (Bd. 2, Stuttg. 1862). Vgl. Düntzer, (Charlotte von S., Goethes Freundin. Ein Lebensbildo (2 Bde., Stuttg. 1874) und „Charlotte von S. und Corona Schröter (Stuttg. 1876); Hoefer, (Goethe und Charlotte von S.» (Stuttg. 1878).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 183Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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